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Nomen est omen

Von meinen früheren Begegnungen mit Afrikanern wusste ich bereits, dass Kinder hier immer zwei Vornamen bekommen, einen lokalen und einen “internationalen”, meist englischen (wie übrigens auch in einigen asiatischen Ländern). Also z.B. Elina Chikoma Kabungwa. Das macht Sinn, denn die lokalen Namen sind zum Teil nicht klar dem Geschlecht zuzuordnen und auch für nicht Ortsansässige manchmal schwer zu verstehen oder zu schreiben. Das weiss ich, da manchmal sogar den Kollegen in Windhoek ein hiesiger Name buchstabiert werden muss. In meinem direkten Büroumfeld habe ich bis jetzt allerdings nur ganz normale, geläufige Namen vorgefunden: Anna, Maria, Miranda, Brian, Roy, Olivia, Sara, Martin etc.

Erst eine Diskussion mit meinen Nachbarn, die sich über die unkontrollierte Praxis der Namensgebung aufregten, hat mich sensibilisiert und ich habe angefangen, die Namen der Lehrer auf den Salärlisten etwas genauer zu studieren. Da sticht besonders uns ins Auge, dass es immer noch viele alte Deutsche Namen gibt: Hilda, Frieda, Berta, Oscar, Herbert, Hans, Gertrude, Rosemarie, Petra und so weiter. Das wirkt für uns in Kombination mit den afrikanischen Namen etwas merkwürdig, ist aber noch kein Grund zur Aufregung.

Auch eher ungewohnte Namen finden sich hier wie Jethro, Rosco, Dile, Chrispin, Moses, Aldrin, Ophelia, Hamlet. Namenskombinationen wie Johnick, Elmary, Annastancia oder Jennicarm zeugen von Kreativität und/oder besonderem Traditionsbewusstsein, wenn nämlich die Namen beider Grossväter oder -mütter quasi zusammengeschnitten werden. Natürlich werden den Kindern, wie bei uns auch, gerne Namen gegeben, die auf ihren vorzüglichen Charakter rückschliessen lassen: Happy, Lucky, Beauty, Gladness, Patience, Delicious, Progress, Variety, Precious, Trendy, Witty oder schlicht: Best! Auch Bornbright ist ein schöner, beliebter Name, von dem wir uns inspirieren lassen könnten.

Richtig spannend wird es, wenn die gewählten Namen klar die beruflichen Ambitionen der Eltern widerspiegeln, indem sie ihren Sohn Professor, Rector, Reverend, Sheriff oder kurz Winner nennen, die Tochter Queen, Princess, Fortune oder Trophy. Diese Zukunftswünsche kippen allerdings manchmal ins Makabre, wenn allen Ernstes Namen wie Killer oder Junkie gewählt werden. Da wünscht man sich, dass den armen Kindern da keine “self-fulfilling prophecy” mit auf den Weg gegeben wird.

Viele Eltern scheinen aber bei aller Liebe keinen existierenden Namen zu finden, der zu ihrem besonderen Kleinen passt und erfinden halt einfach selber einen. Dies führt zu seltsamen Kreationen wie Sarriety, Calicious, Ocacious, Harviety, Lucious, Royeen, Auxilia oder Alphinister! Oder sie hängen eine gefällige Endung an bestehende Begriffe und kommen so zu Loveness oder Brideness. Man erahnt, was die Eltern ausdrücken wollen, es klingt aber irgendwie falsch.

Einfach nur falsch geschrieben werden auch manchmal englische Namen und die Kinder laufen dann mit Borniface oder Bornface (statt Boniface) rum, mit Handrick statt Hendrick, Grecious statt Gracious, Sanety statt Sanity oder Molicious statt Malicious (was auch nicht sehr positiv ist). Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.

Was aber nun meine Nachbarn Carl und Elmari (nach den Grossmüttern Elisabeth und Mary) so aufregte war, dass Eltern, deren Kinder eine eher unangenehme Überraschung darstellten, vom Registrierungsbeamten nicht daran gehindert werden, dies im Namen auszudrücken. Sie kennen zwei Männer, einer heisst Nothing, der andere Mistake! Welche Traumata diese Kinder mitbekommen haben in einem Land, in dem fast jeder ein bisschen Englisch kann, mag man sich gar nicht vorstellen.

Bei aller Kritik merkt ihr aber, dass die Namensgebung hier äusserst vielfältig und phantasievoll ist. Anders als in Russland, wo gefühlt jede Frau entweder Olga, Irina, Ekaterina, Svetlana oder Anastasia heisst habe ich hier noch keinen Menschen getroffen, der gleich hiess wie ein anderer. Gerechterweise muss ich anfügen, dass mein Eindruck von Russland wohl nicht stimmte. Zumindest fand das unsere Nanny Olga (sic!), die mir nach einer entsprechenden Bemerkung meinerseits einen Zettel überreichte, auf dem sie alle russischen Frauennamen gelistet hatte (die ich allerdings in Realität noch nie angetroffen hatte). Nach dem Erlebnis werde ich mich hier mit kritischen Bemerkungen zurück halten…

30.7.17 12:29

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