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Botswana

Letztes Wochenende habe ich mir einen Besuch im Chobe-Nationalpark geleistet. Dieser liegt in Botswana gerade einmal 65km von hier entfernt. Über Botswana wusste ich bis zu meiner Ankunft hier herzlich wenig, seit ich hier bin höre ich von meinen Kollegen und auch Touristen viel Positives.

Auch wenn das Land wie fast alle hier eine ungesunde Abhängigkeit von Rohstoffexporten hat (Diamanten) weist es stabile politische und wirtschaftliche Strukturen auf. Im Buch eines ehemaligen IMF-Direktors las ich, dass Botswana eines der Länder ist, die nie gross am Tropf des IMF oder der Weltbank hingen, sondern ihren Aufschwung allein aus eigener Kraft geschafft haben (eine der sehr interessanten Erkenntnisse, dass diese Institutionen Fortschritt in Entwicklungsländern teils verhindern!). Tourismus ist einer der erfolgreichen Wirtschaftszweige mit einer Konzentration auf begüterte Gäste. Das heisst leider, dass die Lodges sehr teuer sind, es gibt aber auch Camping und einige kleine Pensionen. Damit die Gäste in den Parks auch etwas zu sehen haben hat Botswana seine Anstrengungen zur Ausrottung der Wilderer verstärkt und gilt als äusserst erfolgreich darin. Die Methoden sind allerdings wenig zimperlich, beim Ertappen in flagranti wird einfach gleich auf den Mann geschossen (tödlich).

Nun kommen die Wilderer leider vermehrt nach Namibia und Zimbabwe, dafür hat Botswana das “Problem” einer unglaublich grossen und wachsenden Elefantenpopulation (grösste Elefantendichte der Welt, sagt der Guide). Auch die Tiere merken halt, wo es sich ungefährdet leben lässt und vermehren sich entsprechend. Diese botswanische Kompromisslosigkeit im Durchsetzen von Gesetzen wird von allen Leuten hier sehr bewundernd erwähnt. Anscheinend ist Korruption in Botswana viel weniger verbreitet als in den umliegenden Ländern und meine Schweizer Kollegen berichten, dass sogar die Verkehrspolizei, die Geschwindigkeit misst (!), sich durch kein Lächeln oder eine Entschuldigung vom Kassieren der offiziellen Busse abhalten lassen (mit Quittung!).

Ich fuhr also am Samstag Morgen die gut ausgebaute Straße zur Grenze in Ngoma. Der Übertritt ist einfach, der europäische Gast braucht kein Visum, nur fürs Auto müssen etwa 5 CHF bezahlt und eine Versicherung für ein Jahr abgeschlossen werden. Direkt nach der Grenze beginnt der Chobe NP, einer der grössten und tierreichsten des südlichen Afrikas. Da die Grenzlinie zwischen Namibia und Botswana der Fluss Chobe darstellt kann man auch schöne Flusssafaris machen - das habe ich für den Besuch meiner Kinder geplant. Bis letzte Woche dachte ich, dass man am besten durch den ganzen Park fährt und hörte von meinen Kollegen (die seit vier Jahren jedes zweite Wochenende dort sind), dass der schönste Teil der ganz oben am Fluss ist und sie noch nie im südlichen Teil des Parks waren. Am Fluss natürlich vor allem deshalb, weil die Tiere mit zunehmender Trockenheit sich dort aufhalten oder dorthin kommen, v.a. gegen Abend.

Und ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Man kann nach dem Gate eine Naturstrasse direkt entlang dem Flussufer fahren, anhalten und schauen, was einem da so vors Auto kommt. Und wie ihr unten sehen könnt (leider nur in iPhone-Qualität) war das allerhand: Elefantenfamilien, die sich ein Schlammbad gönnten; viele Giraffen, die einen sehr von oben herab beäugen; eine Büffelherde, die mir ziemlich Respekt einflösste, da die Bullen einen intensiv anstarren so nach dem Motte: auf welche Seite will ich das Auto kippen?; fette Krokodile, die in der Sonne dösen, grasende Hippos, wendige Baboons (Affen); dann alle Arten von Antilopen, Impalas, Kudus. Viele Warzenschweine (mag ich besonders, sie laufen so kurios!), sehr schreckhafte Zebras…. und natürlich viele verschiedene Vögel, auch Adler und Störche. Es ist einfach wunderschön, die Tiere in der Natur zu beobachten, selber nur Gast in ihrem Revier zu sein und eine Ahnung davon zu bekommen, wie unsere Erde einmal funktionierte, bevor der Mensch sie in fast allen Belangen dominierte und formte.

Die ca. 60km Naturstrasse können so natürlich Stunden dauern, zumal die “Strasse” dem Auto alles abverlangt. Ohne Vierradantrieb geht gar nichts, es gibt tiefe Sandstellen, felsige Abschnitte, Wasserrinnen etc. Aber es macht auch Spass, mal offroad fahren zu üben. Nach 6 Stunden war ich am anderen Ende des Küstenstreifens beim Ort Kasane angelangt und bin in mein kleines Gästehaus gefahren. Sonntags 9h war ich wieder beim Gate und bin die andere Richtung gefahren, wieder viele Tiere, die die Autos völlig ignorieren oder sogar neugierig näher kommen. Gegen 17Uhr am Sonntag war ich wieder zuhause, allerdings mit einem völlig verkrampften Rücken, wohl wegen der vielen Ruckelei. Deshalb früh ins Bett und der blog erst heute…

Alles in allem eine wunderbare Ausflugsmöglichkeit, die sogar für einen Tag funktioniert (der Park öffnet bei Sonnenaufgang und schliesst bei Sonnenuntergang). Ich freu mich auf die ersten Gäste, denen ich das zeigen darf.








19.6.17 19:15

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