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Arbeitslos

Dieser Tage wurde in der Presse das neue “National Development Program 5” gefeiert, nationale Entwicklungsziele bis 2022 (s. Graphik unten). Ein Kommentator fragte kritisch und wohl rhetorisch, ob man denn je das vorherige, vierte Programm und dessen Erfüllungsgrad bzw. die Gründe für dessen Verfehlung analysiert habe, um daraus zu lernen. Die fünfte Ausgabe jedenfalls läse sich wie alter Wein in neuen Schläuchen, man habe quasi nur die Jahreszahlen angepasst.

Eins der grossen Ziele ist die Reduktion der Arbeitslosigkeit von momentan landesweit 34%. Lediglich in drei der 14 Regionen des Landes ist die Arbeitslosigkeit zwischen 2014 und 2016 zurückgegangen. Diese an sich schon hohe Zahl erschreckt nochmals mehr, wenn man die regionalen Unterschiede sieht: in der Region Erongo sind es “nur” knapp 22 Prozent, hingegen über 50% in unserer, der Zambezi Region. Natürlich sieht man, dass die meisten Menschen hier ohne Arbeit sind, sie laufen zu jeder Tage- und Nachtzeit durchs Städtchen und die Strassen entlang, hocken in Gruppen zusammen und haben sichtbar nichts zu tun. Einige unternehmen allerdings gezielte Aktionen zur Arbeitssuche, indem sie am Wochenende quasi von Haus zu Haus gehen und nach Arbeit fragen. Am Auffahrt-Feiertag lief ich in eine Gruppe von vier jungen Damen hinein, alle nett angezogen und herausgeputzt. Sie fragten nach Arbeit, ich fragte, welche Arbeit und sie meinten, irgendeiner Arbeit, die ich leider nicht anbieten konnte.

Es erstaunt daher, wenn ich mitbekommen, wie schwer es meiner Bürokollegin Anna fällt, eine Nanny zu finden, oder meinem Nachbarn Carl, einen neuen Gärtner. Ich hatte bisher nur mit Weissen über die Arbeitsmoral der schwarzen namibischen Bevölkerung gesprochen: mit der Farmerin, mit unserer Bürokollegin in Windhoek, mit der hier ansässigen Südafrikanerin und eben mit Carl. Sie alle erzählten von den Schwierigkeiten, zuverlässige, fleissige und vor allem ehrliche Mitarbeiter zu finden. Allerdings haftete für mich, die ich mich dem Land ja möglichst vorsichtig und unvoreingenommen nähern möchte, all diesen Aussagen der Makel “der anderen Ethnie” an, es klang für mich leicht politisch inkorrekt und vielleicht auch kolonial herablassend.

Letzte Woche fuhr ich mit Anna zu einer entfernten Sitzung und zurück und da bot sich die Gelegenheit, mit ihr über das Nanny-Problem zu reden. Uns siehe da: ihre Meinung war genau gleich wie die, die ich vorher gehört hatte: die jungen Leute suchen nach ihrer Meinung v.a. das schnelle Geld und sind nicht bereit, eine wirkliche langfristige Arbeitsbeziehung anzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Sie listete eine lange Reihe von Einstellungsversuchen auf, die von immerhin einem Monat (bis zum ersten Zahltag!) reichte bis zu ‘nie erschienen’. Sie meint, die meisten jungen Leute seien generell unzuverlässig und - wie sie denkt - auch faul. Viele Junge geraten denn auch auf die schiefe Bahn und versuchen, sich mit Diebstahl und Einbrüchen ihren Lebensunterhalt auf scheinbar leichte Art zu finanzieren. In Anna’s Erfahrung sind Frauen aus Zimbabwe viel motivierter und verlässlicher, so dass sie nun eine solche zu finden versucht.

Als ich eine Putzfrau suchte, habe ich mir beim Sozialamt das kleine Pamphlet geholt, das ihr unten seht. Es listet auf, wie man Hausangestellte behandeln sollte. Wie ihr seht, ist der Mindestlohn 7N$ pro Stunde, das sind 50 Rappen. Ich fand das unglaublich wenig und habe meine Schweizer Kollegin Susanne gefragt. Sie meinte, dass zum Teil noch viel weniger gezahlt würde, weil eben Arbeit so begehrt sei. Sie selber zahle aber für ihre verlässliche Frau 20N£, also 1.50CHF die Stunde, dreimal das Minimum. Immer noch wenig, wenn man bedenkt, dass man sich vom Stundenlohn keinen Liter Milch leisten kann. Ich habe mich dem angeschlossen und zahle meiner sehr fleissigen, ruhigen und ehrlichen Caroline 20N£ die Stunde plus noch mal 20$ für das Taxi hin und zurück.

Eine grosse Diskrepanz also zwischen der Nachfrage nach Arbeitern mit einem gewissen moralischen Anspruch und dem Angebot derselben. Warum das nicht zu Anpassungen führt, indem man sieht, dass die fleissigen sich mehr leisten können? Vielleicht weiss ich in drei Jahren mehr darüber…



11.6.17 17:16

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