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Nachtgeräusche

Kaum etwas definiert für mich einen Ort so wie seine nächtlichen Geräusche. Man liegt still im Bett, nichts lenkt einen ab und man lauscht den vertrauten Geräuschen oder versucht an einem neuen Ort, die ungewohnten Geräusche einzuordnen. Diese Nachtgeräusche prägen meine Erinnerungen an Orte so stark wie gewisse Bilder.

In Stallikon am Fusse des Üetlibergs war dies das v.a. bei Regen tosende Rauschen der nahen Bäume, dann je nach Jahreszeit vielfältiges Vogelgezwitscher und unser wiederkehrender Specht. In Moskau das Kontrastprogramm: keine Natur-, sondern ausschliesslich Zivilisationsgeräusche: jaulende Sirenen wie in jedem guten Actionfilm, da nahe am Kreml immer wieder Hubschrauberknattern, kontinuierliches Verkehrsrauschen, oft aber auch einzelne hochtourige Motoren, wenn auf der vierspurigen Tverskaya mal wieder ein nächtliches Rennen der Sportwagen stattfand. Im Winter Schneeräumer, alles leicht gedämpft. Daneben aber auch zartes abendliches oder morgendliches Gebimmel der vielen orthodoxen Kirchen in unserem Quartier.

Indien war eigentlich eine Mischung aus beidem: Viele Vögel- und Tiergeräusche, die ich bis zum Schluss nicht alle identifizieren konnte, das Rauschen der Palmen, unterbrochen manchmal von der Schrecksekunde, wenn eine Nuss donnernd auf den Boden oder - schlimmer noch - aufs Dach fiel, fast konstantes Hundegebell nah oder fern. Zusätzlich eigentlich immer menschengemachte Geräusche wie die durch Verstärker in ohrenbetäubender Lautstärke schallende Musik aus Tempeln, aber auch Moscheen und Kirchen, von denen ich ausführlich berichtet habe. Knatternde Motorräder und Rickshaws zu jeder Nachtzeit und auch die späte Maschine nach Singapur, die immer über mein Haus flog (warum nur sie diese Startroute bekam, schien mir nie logisch).

Hier in Zentralafrika herrscht oft vor allem eines: tiefe Stille. Auch hier gibt es Hunde, vier davon direkt um mein Haus herum, die aber meist nachts zur Ruhe kommen. Ein Käuzchen erinnert mich an Stallikon, der "Nightjar" mit seinen rhythmischen 'tschok-tschok'-Rufen, deren einschläfernde Wirkung jäh abbricht, wenn er damit aufhört, und viele Grillen, die erst langsam nach der Regenzeit wieder anfangen, einen ziemlichen Lärm zu machen. Die bereits beschriebenen Rascheleien der Mäuse im Dach haben aufgehört, seit Carl etliche kleine Schlupflöcher verstopft hat. Manchmal höre ich auch Boote auf dem Fluss, ob dies private sind oder der Grenzschutz, weiss ich nicht, ich hoffe jeweils, dass die Nilpferde rechtzeitig untertauchen. Am Wochenende schallt je nach Windverhältnissen vom anderen Ufer afrikanischer Sound herüber, dort liegt die sambische Siedlung Sasheke und da wird halt gefeiert.

Richtig schön afrikanisch wird es dann, wenn ich beim Einschlafen das Grunzen und Prusten der Nilpferde höre (siehe unten Spuren im Nachbargrundstück) oder afrikanische Trommeln. Mein Nachbar erzählte mir, dass in den umliegenden Dörfern gerne bei Krankheiten zwar westliche Medizin genommen wird, “zur Sicherheit” aber auch noch die Trommler gerufen werden. Diese trommeln die ganze Nacht, unterbrochen von kurzen Erfrischungspausen, und dies hat in der Tat etwas Hypnotisches, was ich mit meinen anfänglichen Einschlafproblemen gut gebrauchen konnte.

Aber vor jeder Nacht kommt bekanntlich der Sonnenuntergang, der sich hier bestens bei mir oder in verschiedenen Lodges am Fluss mit einem Sundowner geniessen lässt - Prost!



5.5.17 13:05

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