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Feiern

Letzte Woche hatte ich Geburtstag und mich auf keinen besonderen Tag eingestellt, ausser Glückwünsche von Familie und Freunden entgegenzunehmen. Morgens bekam ich dann aber gleich eine SMS meiner Kollegen in Windhoek, die mir einen grossen Kuchen hier in Katima bestellt hatten, den ich mittags abholen konnte. Ich kaufte dazu Pappteller und Servietten und offerierte den Kuchen all denen Kollegen, die ich in den vergangenen Wochen etwas besser kennengelernt hatte.

Das kam gut an. Es zeigte sich, dass alle, die sich ein Stück abholten, gleich noch ein “Happy birthday”-Ständchen anstimmten und so kam ich doch langsam in Geburtstagsstimmung. Das beste allerdings war, dass mich keiner meiner Kollegen älter als 47 schätzte (und ich glaube mal, dass das nicht aus Schmeichelei passierte). Dass ich jetzt 57 bin schien allen unvorstellbar. Das tut natürlich gut, aber ich habe mich auch gefragt, warum das wohl so ist. Denn auch in Indien und gar in Russland wurde ich nie für so alt gehalten, wie ich tatsächlich war und so gern ich aus einer gewissen Eitelkeit heraus an mein jugendlicheres Aussehen glauben würde weiss ich doch, dass ich im europäischen Vergleich durchaus meinem Alter gemäss ausschaue. Ich denke also, dass es mehr mit dem Verhalten zu tun hat, vielleicht auch mit der Kleidung. Ihr seht unten meine Bürokolleginnen, die drei Damen sind zwischen 29 und 35 Jahre alt. Sie kleiden sich allerdings mit Kostümen und formeller Bürokleidung für unsere Begriffe ziemlich “tantig” und sind auch stattlich gebaut, das macht älter. Auch in Russland und Indien sind Frauen über 50 eher gesetzt, kleiden sich zurückhaltend und sehen für uns richtig “alt” aus.

Vielleicht liege ich auch völlig falsch, jedenfalls war es ein netter Tag, den ich abends mit 4 Stunden Dauerskypen beschlossen habe. Am Donnerstag dann luden mich die besagten Bürodamen für gestern zu einer “Baby-shower” für eine Kollegin ein, die vorletzte Woche in den Mutterschaftsurlaub ging. Auf meine Frage, ob dies ein lokaler Brauch sei verneinten sie. Wie bei uns ist es ein ziemlich neuer Import aus den USA. Ich bewege mich im Büro sicher im namibischen Mittelstand, die Staatsangestellten verdienen nicht schlecht und fast alle Paare sind Doppelverdiener. Und da leistet man sich neuerdings wohl so eine schicke Baby-Shower bzw. überrascht Freundinnen damit.

Also kaufte ich mit viel Spass ein paar Babykleider und -schühchen, fand auch Geschenkpapier, leider aber keine Bänder. Ich nahm Bindfaden und packte alles liebevoll ein. Um 15h sollte es losgehen, aber Anna, die Kollegin, die ich abholen sollte und die wusste, wohin wir mussten, war noch beim Friseur für ihre aufwändige Zopffrisur. Um 16h also holte ich sie zuhause ab - Dresscode schrieb weisse, pink oder graue Kleider vor - und wir fuhren kurz vor der sambischen Grenze Richtung Fluss. Bis dahin hatte ich fest angenommen, das Ganze finde bei der werdenden Mutter zuhause statt. Nun sah ich, dass wir in eine Art Resort fuhren, wo man Wiese und Hütte mieten und private Feste ausrichten kann. Ein Kindergeburtstag war in vollem Gange, die Gäste der Baby-Shower aber noch nicht alle da.

Wir setzten uns und warteten auf die Hauptperson. Um 17.30h endlich traf sie ein, wurde mit “Überraschung”-Rufen begrüsst und musste sich erst einmal die Augen verbinden lassen. Dann musste die Arme mittels Abtasten jede Besucherin erkennen. Falls ihr dies nicht gelang, gab man ihr einen Löffel Babybrei. Sie schaffte ein halbes Glas…! Dann wurden die Geschenke verteilt und das ging ziemlich lieblos vonstatten. Jede Dame kam mit einer Geschenktüte, aus der sie kurz die (uneingepackten) Gaben zog und sie zeigte, dann wurde alles in die Tüte zurückgestopft und zur Seite gestellt. Mir ging auf, dass ich mit meinen einzeln eingepackten Teilen ziemlich exotisch war, aber Mintu (so heisst die künftige Mutter) machte kurzen Prozess und riss rasch alles auf.

Die Organisatorin versuchte nun, die Besucherinnen dazu zu bringen, Mintu ein paar gute Wünsche (und auch Gebete) mit auf den Weg zu nehmen, aber dazu waren die Damen zu schlapp oder uninteressiert. Das Ganze machte auf mich den Eindruck, dass da 20 gelangweilte Frauen Zeit totschlugen und ein fremdes Ritual absolvierten, das sie aber eigentlich gar nicht interessierte. Ich war ziemlich enttäuscht davon, dachte ich doch, es ginge emotionaler und herzlicher zu. Erst als die Musik angestellt wurde (südafrikanische Housemusik, liess ich mir sagen), kam Bewegung in die Gesellschaft und es wurde doch noch etwas getanzt. Danach gab es etwas zu essen und auch ein Gläschen fürchterlich süssen Rosewein. Inzwischen war es fast 20h, dunkel, und es wurde auch kühl (hier ist Herbst).

Ich lud meine Kollegin Anna wieder ein und wir fuhren zurück. Auch sie war enttäuscht und meinte, eine so uninspirierte Feier habe sie noch nie erlebt. Egal, für mich war es wieder ein Einblick mehr in diese Gesellschaft, in der ich nun lebe. Und heute Abend habe ich mit zwei hier ansässigen Damen (eine Südafrikanerin, eine Amerikanerin) am Fluss mit einem "sundowner" doch noch auf meinen Geburtstag angestossen.






30.4.17 16:36

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