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Frohe Ostern

Ich habe erstmals zwei Tage freigenommen (mit Formular und Unterschrift vom Chef!) jeweils einen vor und nach Ostern. Somit habe ich 6 Tage, die ich nutze, um meine Freunde Lis und Maurice in Zambia zu besuchen. Sie wohnen ca. 2 Stunden nördlich von Lusaka in einem kleinen Dorf. Die Fahrt von mir dorthin ist ca. 850km - zu lang also, um sie an einem Tag zurückzulegen.

Ich bin am Gründonnerstag früh um 6.30h losgefahren, um die Einreiseformalitäten möglichst vor dem grossen Andrang erledigen zu können. Leider konnte mir im Vorfeld keiner an der namibischen Grenzstation sagen, wieviel Geld ich in welcher Währung für die Einreise nach Zambia brauche. So habe ich mit viel Mühe 100US$ in einer Bank in Katima wechseln können, alle anderen Banken hatten gar keine Devisenreserven. Die zambische Währung Kwacha kann man überhaupt nicht in Namibia wechseln.

Es war gut, dass ich so früh aufgebrochen bin, denn nach dem Ausreisestempel von Namibia muss man zu 5 verschiedenen Stellen im zambischen Grenzposten. Dieser liegt ca. 1 km vom namibischen entfernt und in diesem Niemandsland tummeln sich die (illegalen) Geldwechsler. Bei denen konnte ich meine namibischen $ in Kwacha wechseln und habe leider auch alle gebraucht. Man bezahlt ein Visum, eine Gebühr für’s Auto, eine Versicherung für’s Auto, eine Strassenverkehrsabgabe und letztlich noch einen Obulus an die Gemeinde Sesheke, in der dieser Grenzübertritt liegt. Insgesamt ca. 170US$!

Um 8h bin ich endlich losgefahren, über die spektakuläre Brücke über den Hochwasser-führenden Zambezi, dann diesen entlang bis nach Livingstone. Gleich nach dem Grenzübertritt werden einem einige Unterschiede zwischen den Ländern bewusst: fehlende Beschilderung, mehr Dreck, mehr Bettler und v.a. katastrophale Strassen. Die Strasse ist teils als solche gar nicht erkennbar, ausgewaschene Krater, Risse und tiefe Löcher, die man teilweise neben der Strasse umfahren muss, teils aber leider auch durchfahren, da es keine andere Möglichkeit gibt. Ich habe für die 190km bis Livingstone 4 Stunden gebraucht und mich gefragt, wofür die Road toll wohl gebraucht wird!

In Livingstone, dem zambischen Touristenzentrum für die Victoriafälle, hatte ich ein Zimmer gebucht und bin gleich nachmittags zu den Fällen gefahren. Sie führen jetzt Hochwasser und es war sehr eindrücklich - und sehr nass! - sie in diesem Zustand zu sehen. Es gibt einen Park mit verschiedenen Wegen und Aussichtsstellen und auch einer Fussgängerbrücke dazwischen. Die Gischt spritzt so hoch, dass sie wie ein starker Gewitterregen auf einen wieder herunterfällt, man ist in wenigen Sekunden völlig durchnässt. Unten seht ihr die Bilder, die ich von den Fällen machen konnte. Ich werde sicher nochmals im hiesigen Winter hinfahren, wenn Niedrigwasser herrscht und über den Unterschied staunen.

Karfreitag bin ich weiter nach Lusaka. Auch diese Strasse ist zur Hälfte gut, zur Hälfte allerdings ebenfalls voller Löcher, so dass man seine Geschwindigkeit ständig anpassen muss. Im Laufe des Tages nahm der (Oster-)Verkehr zu und ich kam langsamer vorwärts. Dann durch Lusaka mit x Kreiseln, einmal Verfahren, so dass ich letztlich um 18Uhr nach 10 Stunden bei Lis und Maurice ankam. Gleich ein Sundowner-Bier und erst einmal ein Hoch auf meine Reifen, die mich durch all die Löcher und Kanten getragen haben, ohne mich mit Plattem am Strassenrand stranden zu lassen (das war meine grösste Sorge, aber vielleicht hätte ich einen Reifenwechsel ja hinbekommen).

Gestern haben wir einen Spaziergang zur Bäckerei gemacht, die zum Altenheim gehört, das Lis hilft zu managen. Dort hat sie ein kleines Schoggi-Ostergeschenk an alle Mitarbeiter verteilt und ich habe Mitbringsel für meine Nachbarn und Kollegen gekauft (Fire-nuts, mit Chili geröstete Erdnüsse). Ansonsten haben wir im Austausch unserer Projektarbeit gemerkt, dass eben Namibia im Vergleich zu Zambia doch schon ein Stück weiter oder auch nur organisierter ist. Dazu kommt, dass die Menschen in meinem Arbeitsumfeld alle eine Ausbildung haben, während Lis hier mehrheitlich mit Analphabeten - eben auf dem Dorf - zusammenarbeitet. Das ist schon interessant, haben doch diese Länder im Grossen und Ganzen ähnliche Vergangenheiten.

Heute, am Ostersonntag, der obligate Kirchenbesuch hier in Mpanshya, mein erster in Afrika. Die Kirche mit ca. 200 Menschen brechend voll, alle so fein herausgeputzt wie sie es vermögen, die Frauen mit den “Chitenges” (Wickelröcken) mit Kirchenmotiven, s.u. Der polnische Pfarrer verlas eine traditionelle katholische Messe auf der lokalen Sprache Chinyanja. Er wurde in die Kirche hinein und wieder hinausgeleitet von den sogenannten “Stella girls”, die - ganz weiss gekleidet - in rituellen Tänzen vorwärts schritten. Überhaupt wurde natürlich viel Musik gemacht, mit Gitarre und Chor und sofort fingen die meist beeindruckenden Hüften der Frauen an zu schwingen. Dann formierte sich eine lange Schlange, die dem Pfarrer kleine Geld- oder Naturaliengaben brachten, da er anscheinend kaum Geld verdient. Am Schluss wurden alle auswärtigen Besucher (ich) vorgestellt und mit Klatschen willkommen geheissen. Das Ganze dauerte knapp 2 Stunden, die Messe vom Samstagabend war 4 Stunden. Dennoch, nur auf einem schmalen Holzbrett sitzend kommt es einem lang vor.

Ich wünsche euch nun auch einen ruhigen, friedlichen Ostersonntag, vielleicht einen schönen Spaziergang in der Frühlingssonne, und abends dann den feinen Lammbraten. Wir werden hier Lamm grillen und bei Petrollampenlicht draussen essen.






16.4.17 14:37

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