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Mobilität

Der 4. Mai ist ein Feiertag in Namibia. Er gedenkt des sogenannten “Cassinga Massakers” von 1978. Mein Nachbar Carl hat mir einige alte Bücher und SWAPO-Broschüren gegeben, in denen man unterschiedliche Beschreibungen und Interpretationen dieses Tages lesen kann. Fakt ist, dass die südafrikanischen Truppen das Flüchtlingslager Cassinga in Südangola bombardierten und an die 1000 Menschen umbrachten, darunter viele Frauen, Kinder und Alte. Die namibische Befreiungsbewegung SWAPO (South-West African People’s Organization) verurteilte dies klar als barbarischen Akt der süd-afrikanischen Armee unter dem damaligen Verteidigungsminister P.W. Botha, der eine sich abzeichnende Unabhängigkeit Namibias mit allen Mitteln verhindern wollte. Eine andere Version war, dass das Lager mit einem SWAPO-Lager verwechselt wurde und die Piloten der Bomber nicht gewahr wurden, dass sie bereits über angolanischem Gebiet flogen.

Dies nur als kurzer Hintergrund zum heutigen Thema: Denn auf der Rückseite des besagten SWAPO Heftes fand ich die interessante Darstellung eines Namibia, das über Europa gelegt wurde und von London bis Rom reicht (s.u.). Dies verdeutlicht einmal mehr die Dimensionen dieses Landes bei gleichzeitiger äusserst dünner Besiedelung. Deshalb, so lautet meine Schlussfolgerung, gibt es hier so gut wie kein öffentliches Verkehrsnetz: zu aufwendig für zu wenige. Abgesehen von einem knappen Dutzend Miniflughäfen wie Swakopmund, Rundu und auch hier in Katima, die Inlandflüge für gut Betuchte anbieten, gibt es nur wenige Bahnlinien. Die erste und anscheinend noch in Grundzügen zu besichtigende bildete die von den Deutschen erbaute Schmalspurbahn von Wolvis Bay nach Windhoek.

Heute gibt es wohl wöchentliche Zugverbindungen von Windhoek nach Südafrika einerseits und gen Norden/Westen nach Swakopmund und Tsumeb (Etoscha Pfanne) andererseits. Der ganze Norden und Osten ist (noch) nicht durch die Bahn erschlossen. Namibia ist also vor allem ein Autoland. Es gibt über 6000km geteerte, gut unterhaltene Strassen und dazu fast 40’000km Pisten. Und im Gegensatz zu Indien mit seinem grossen Zug- und Busnetz sehe ich auf den Strassen bisher gar keine öffentlichen Busse, sondern nur wenige private. Von Katima aus kann man zweimal die Woche nach Lusaka, Zambia, fahren über die Strasse, die ich in meinem Osterblog als katastrophal beschrieben habe! Der Bus kommt aus Windhoek. Auch nach Botswana und Zimbabwe fahren Busse, ich weiss nicht, wie oft.

Prägend sind hier wie auch in den umliegenden Ländern private Sammeltaxis. Meist Toyota Prius in allen Stufen des Verfalls, die konstant in und um das Städtchen fahren. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass diese Taxis, kaum sehen sie einen Fussgänger, einmal kurz hupen, um auf sich aufmerksam zu machen. Eine Fahrt kostet 10N$, also rund 70Rappen. Alle nutzen diese Taxis, meine Bürokolleginnen, die einen bestimmten Fahrer für die Hin- und Rückfahrt buchen wie auch meine Putzfrau. Damit sich die drei Stunden Putzen und Waschen für sie lohnen gebe ich ihr das Geld für ein Taxi dazu und erspare ihr den einstündigen Fussmarsches, den sie bei ihren ganztägigen Engagements zweimal bewältigt. Es gibt auch Kleinbusse, die weiter durch die umliegenden Dörfer bis zur Grenze fahren, denn Katima kennt auch einen kleinen Einkaufstourismus durch die angrenzenden Länder.

Man hat mir gesagt, dass es pro Dorf oft nur ein Auto gibt, dessen Besitzer dann wöchentlich die Einkaufsliste des ganzen Dorfs bekommt. Ich hatte mich schon über die Personen in den Supermärkten gewundert, die 2-3 Einkaufswagen voller Brot, Oel, Mehl etc. zur Kasse schoben. Dominante Marke auf den Strassen ist ganz eindeutig Toyota, dazu Hiyundai, Landrover, GMC. Die europäischen, ausschliesslich deutschen Autos, die es aber doch auch hier in Katima gibt, kann man an zwei Händen abzählen.

Das Strassennetz ist während der letzten Jahre massgeblich erweitert worden und umschliesst nun auch strategische Achsen wie die “Trans-Kalahari”, die von Windhoek nach Osten quer durch Botswana bis ins südafrikanische Industriegebiet Gaborone führt. Der Hafen von Wolvis Bay wird ausgebaut und bietet für die Binnenländer Zambia, Botswana, Zimbabwe, Malawi etc. ein attraktives Einfallstor für ihre Gütertransporte. Der Artikel unten beschreibt, welche ambitionierten Pläne für den Güterkorridor bestehen, der insbesondere auch unsere Region, den Caprivi Zipfel, umfasst. Für mich unverständlich ist dann allerdings, warum einerseits die Strasse, die in Zambia zu der recht neuen Brücke über den Zambezi führt und für den Schwerverkehr zentral ist, in einem so schlechten Zustand gehalten wird.

Und als ich an Ostern auf dem Rückweg genau diese Strasse meiden wollte und den alternativen Weg über Botswana wählte sah ich bereits kurz nach Livingstone an beiden Strassenrändern Laster an Laster stehen. Auch sie scheuten sich wohl, die schlechte Strasse zu nehmen und warteten darauf, mit der einzigen (!) Fähre über den Zambezi Fluss übersetzen zu können. Warum der lange Rückstau? Das wurde mir klar, als ich die Fähre zu Gesicht bekam: ein klappriges Eisengestell, auf das gerade mal EIN Lastwagen plus zwei PKW und einige Menschen und Fahrräder passen (s.u.)! Soviel zum Ausbau des Logistikkorridors. Allerdings muss ich fairerweise zugeben, dass momentan noch eine Brücke neben der Fähre gebaut wird (man sieht es im Hintergrund). Warum man das Geld nicht lieber in die Strasse zur 150km weiter bereits existierenden Brücke steckt und so diese ausnutzt anstatt durch Botswana nach Namibia zwei Grenzen und einen National Park zu passieren? Das konnte mir hier niemand beantworten…






21.5.17 14:48, kommentieren

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Probezeit

Es ist wirklich kaum zu glauben, aber in 10 Tagen bin ich bereits vier Monate im Lande. Knapp drei davon bestanden aus meiner Probezeit und letzte Woche war der Moment, als meine Kollegen (und Vorgesetzten) aus Windhoek plus zwei andere Kollegen aus Luzern hier in Katima anreisten, um meine Präsentation “Sich ein Bild machen” anzuschauen. Angedacht war ursprünglich, dass ich sie vor meinen drei hiesigen Vorgesetzten - dem Direktor und seinen zwei Stellvertretern plus den Interteam Kollegen halten würde, aber dies liess sich terminlich nicht machen. Der Direktor und ein Stellvertreter waren abwesend, letzterer bat vor seiner Abreise, dass ich sie ihm bitte allein präsentieren möge, damit er weiss, um was es geht.

So trat ich also vor knapp zwei Wochen mit meinem (zum Glück mitgebrachten) privaten Projektor in sein Zimmer und suchte vergeblich nach einem Stücke weisse Wand, auf das ich projizieren könnte. Er löste das Dilemma afrikanisch unbekümmert, indem er den Vorhang zur Seite zog und so zwischen dem Porträt des Staatsgründers und des jetzigen Präsidenten ein kleines Stück gelbe (!) Wand freilegte. Egal, ich bin ja nicht mehr im Beratungsgeschäft, wo alles perfekt sein muss. Ich zeigte ihm die ziemlich umfangreiche Präsentation, in der ich meine Eindrücke und Überlegungen sowie auch Ideen für meine künftigen Beiträge zusammengestellt hatte. So etwas hatte er sichtlich nicht erwartet, er war beeindruckt, aber vielleicht auch etwas erschlagen. Nichtsdestotrotz gab er mir ein gutes Feedback und im Prinzip grünes Licht für meine Vorschläge. Das war schon mal ein gutes Signal für mich.

Letzten Donnerstag nun also die zweite Präsentation, diesmal “offiziell” und durch meine Kollegen in grösserem Rahmen. Ich hatte vorher ein Sitzungszimmer reservieren können: wieder gelbe Wände, aber eine weisse Tafel, auf die ich gut projizieren konnte. Nun also der andere Stellvertretende Direktor, mit dem ich auch bisher mehr Kontakt hatte. Die Präsentation folgt in ihrem Aufbau einem Interteam-Modell, dem sogenannten “Capacity Development Model”. Die Frage steht im Zentrum, wie und wo ich als Fachperson am besten Nutzen bringen kann und untersucht vier Ebenen: die des Gesamtsystems (das wäre z.B. Lobbyarbeit bei einer kleinen NGO), die des direkten Netzwerks, die der Organisation selber und die des Individuums. Mein Fokus liegt klar auf der Organisation, wobei sich dann Massnahmen auch für Individuen ergeben werden (z.B. Trainings, workshops etc.)

Wiederum war das Echo sehr positiv, wieder wurde betont, dass da sehr viel Einblick und Verständnis geboten wird und dass diese Präsentation nun erst natürlich dem Direktor nach seiner Rückkehr und dann im Juni allen Mitgliedern des Management gezeigt werden soll. Das ist erfreulich. Für mich besonders wichtig war aber, Feedback zu meinen Vorschlägen der ‘Quick wins’, also der schnellen Massnahmen 2017, zu erhalten. Ich habe dort drei Bereiche im Auge, wo ich ansetzen möchte: Organisation (von Raum, Material und Menschen), Kommunikation (innerhalb der Organisation aber auch mit Externen) und Digitalisierung (einfachste Dinge wie elektronische Agenda, Standarddokumente, Kontaktdaten etc.).

Auch wenn die beiden Stv. Direktoren meinten, da habe ich ja wohl Tag und Nacht gearbeitet, um so eine Präsentation zustande zubringen war ich natürlich faktisch bereits vor einem Monat sozusagen fertig. Ich will mich hier nicht loben, solche Präsentationen gehörten über 20 Jahre zu meinem täglichen Handwerk. Es wurde mir also langweilig. Neben weiteren sporadischen Interviews fing ich an, insbesondere die Bürosituation der beiden Bereiche Finanzen und Personal zu analysieren. Diese stehen unter besonderem Druck, da ihnen von aussen langsame und fehlerhafte Prozesse nachgesagt werden, und hier möchte ich zu allererst ansetzen. Ich habe also Inventar erhoben, Zeitpläne erstellt, wie sie ausgemistet und das überfällige Archiv eingerichtet werden kann (unten einige Bilder der überfüllten Büros). Kernstück meiner Vorschläge ist aber eine gänzlich neue Sitzordnung, die nicht mehr die Funktion (Salärbuchhaltung versus Personaladministration), sondern den Bezirk in den Mittelpunkt stellt. Pro Bezirk gibt es nämlich je einen Buchhalter und einen Personalmitarbeiter. Beide müssen eng zusammenarbeiten, rennen heute also ständig von einem Büro ins andere. Künftig sollen sie sich gegenüber sitzen, so dass Lehrer oder andere Mitarbeiter der Direktion nur noch eine Anlaufstelle haben.

Diese Pläne konnte ich nach der positiven Reaktion des zweiten Stv. Direktors nun am Freitag Morgen ansatzweise den Leitern der beiden Abteilungen zeigen und siehe da: beide finden es eine sehr gute Idee! Ich werde weiter berichten.




14.5.17 14:41, kommentieren