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Getier

Letzte Woche hatte ich die Flora rund ums Jahr beschrieben und schon angedeutet, dass das Wetter auch auf die Fauna Auswirkungen hat. Der erste Regen bringt tatsächlich eine spürbare Vermehrung aller möglichen Tiere, nicht immer zu meiner Freude.

Als erstes hatte ich genau 24h nach dem ersten Regen eine Armada von relativ grossen fliegenden Ameisen im Haus. Wo die sich vorher versteckt hatten - keine Ahnung! Sie schwirrten ums Licht und konnten auch gut erschlagen werden, ich war aber den ganzen Abend mit Ausschütteln und Fegen beschäftigt. Auch draussen vibrierte die Luft von ihnen, was wiederum die Frösche auf den Plan rief. Sie hüpften hin und her, frassen sich wohl die Bäuche voll und passten daher nicht immer auf, wo sie hinsprangen. Auf jeden Fall hatte ich den nächsten Morgen, als ich den Toilettendeckel hob, einen Frosch im WC, der sich ganz artistisch mit seinen vier Füsschen im Becken abstützte. Er war aber sehr erschreckt und schwierig dort rauszuholen. Reingekommen war er wohl durch ein Loch, dass an der Aussenmauer zu den Leitungen führt…ich habe es heute verschlossen. Meine Freunde hier erzählen, dass die vielen Frösche wiederum logischerweise viele Schlangen anziehen, was ich zum Glück bis jetzt nicht beobachtet habe.

Danach kam, wie mein Nachbar mir schon ankündigte, die Invasion der Zikaden. Auch scheinbar aus dem Nichts begann das Zirpen und die Tiere, alle grösser als ein Fünfliber, flogen um meine dauerbrennenden Aussenlampen, wobei sie plump gegen Wand und Dach schlugen und ziemlichen Lärm verursachten. Besonders gerne übernachten sie an meinen Fliegengittertüren, so dass ich morgens nur ganz vorsichtig rausschleiche, damit sie nicht hineinfliegen (unten ein Bild von innen). Sie leben aber nicht lange, der Boden ist voll von Zikadenleichen, die von den Hunden als knackiger Snack gern gefressen werden. Nach ein paar Tagen waren es so viele Tiere in den Büschen und Bäumen, dass deren Geräusch einem buchstäblich das Trommelfell vibrieren lässt. Ein eigenartiges Gefühl. Auch jetzt, wo ich das schreibe, begleitet mich das konstante Zirpen, was mich im übrigen nicht weiter stört.

Meine Freunde vom Februar, die ich nach meiner Ankunft als erste “Invasoren” wahrnahm, sind auch zurück: die fetten Tausendfüssler. Unglaublich schnell suchen sie sich einen Zugang zum Haus, vielleicht auf der Suche nach Fliegen oder nur Schutz vor dem Regen, ich weiss es nicht. Kaum berührt man sie rollen sie sich blitzschnell zu einem Kringel zusammen und lassen sich gut rausfegen. Zum Glück habe ich an den beiden Türen sandgefüllte “Würste”, die das meiste abhalten, aber immer wieder ganz fest an die Aussentür gepresst werden müssen, damit nicht zu viele kleine Tiere hineinkommen.

Zu meiner grossen Erleichterung hält sich die Spinnenpopulation in meinem Häuschen in Grenzen. Es sind kleinere, sehr scheue Tiere, die mir nach den Monstern in Indien kein Kopfzerbrechen mehr bereiten. Dafür ist mir eben etwas unglaubliches passiert: ich sass auf meinem Sofa und las die Sonntagszeitung, als ich eine Bewegung an meiner linken Hüfte bemerkte. Erst dachte ich, es sei meine Wolljacke (ja, wir hatten einen unglaublichen Temperatursturz von fast 40 Grad auf 22 Grad, da kann man schon ins Frösteln kommen!), aber als es anhielt, schaute ich nach und sah mich Aug in Aug mit einer klitzekleinen Maus. Sie rannte auch nicht weg, sondern schien erst einmal die Lage und meine Reaktion zu sondieren. Sie ist bei weitem nicht die erste, ich habe konstant an einem Ort Gift gestreut, damit ich sehe, ob welche im Haus sind. Sie gehen an die Vorräte, machen viel Dreck und sind lästig. Aber ich hatte tatsächlich noch nie eine lebend gesehen und noch nie eine so kleine. Was sie da wollte, ist mir ein Rätsel. Sie verschwand dann hinter dem Sofa und ich nehme an, sie wird nach Verzehr des Gifts unter meinem Küchenschrank zu Tode kommen. Dort fegt meine Putzfrau jede Woche und entsorgt immer wieder Mäuseleichen.

Die Mücken haben erstaunlicherweise noch nicht zugenommen. Insgesamt sind sie kein Problem für mich, was ungewohnt ist, da ich sonst ein beliebtes Ziel bin. Aber während der Regenzeit werden sie zunehmen und ich muss mir angewöhnen, mich zum Sonnenuntergang gut einzusprayen, da ich mich entschlossen habe, keine Malariaprophylaxe zu nehmen. Es sind nur ein paar kritische Monate und die Medikamente sind so stark. Keiner meiner ausländischen Kollegen hier nimmt sie und keiner hatte bisher Malaria. Und da ich ein gutes Netz über meinem Bett habe hoffe ich mal das Beste.



29.10.17 12:30, kommentieren

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Jahreszeiten

In drei Monaten werde ich bereits alle Jahreszeiten hier im Zambezi Gebiet erlebt haben. Als ich ankam, war die Regenzeit bereits in vollem Gange und alles war grün und saftig. Die Temperaturen waren wie bei uns in einem guten Sommer, tagsüber 25-29 Grad, nachts um die 15 Grad. Bei starkem Regen kann schon einmal eine Jacke nötig sein. Allerdings ist das auch die Zeit, wo man nicht mit Sicherheit einen Grillabend planen kann, am besten Plastikschuhe trägt und wegen der unbefestigten Strassen alles immer etwas sandig und dreckig ist.

Es folgten die für mich schönsten Monate April und Mai, wo der Regen langsam aufhört und es einfach nur sonnig und schön und immer noch sehr grün ist. Langsam sinken die Temperaturen, man schläft nachts wunderbar, der Wasserstand der Flüsse und Ueberschwemmungsgebiete ist hoch. Juni und Juli werden dann deutlich kühler, für uns Mitteleuropäer aber immer noch mild: tagsüber über 20 Grad, nachts so um 10-12 Grad. Die Sonne ist schwach und ich ass mittags immer auf meiner Terrasse, um mich aufzuwärmen. Denn mein Häuschen, vielleicht hab ich’s erwähnt, kühlte nachts auf 14-15 Grad ab, so dass ich tatsächlich immer mal wieder gefroren habe. Das Wasser schwindet, das Grün auch, es ist extrem trocken.

August und September werden windig, dafür aber wieder etwas wärmer. Schöne Monate v.a. für die Tierbeobachtung, da es sehr trocken ist und die Tiere zu den wenigen Wasserstellen kommen müssen. Auf unserer Reise hatten wir anfangs September am Tag teils über 30 Grad, dafür nachts und morgens früh nicht mehr so kalt. Für mich irritierend war, dass nun die Blätter fallen, während es immer heisser wird. Ich merkte, dass ich braune Blätter und raschelndes Laub stark mit kühlen Temperaturen assoziiere, Herbstgefühle halt, während sie hier temperaturmässig die Spitze des Jahres einleiten.

Oktober und November nun sind sehr heiss und tatsächlich auch feuchter als die Monate vorher. 40 Grad und drüber sind an der Tagesordnung, nachts sinkt es auf 25 Grad ab, was einem wunderbar kühl vorkommt. Lokale Einwohner wie mein Nachbar Carl sagten voraus, dass es anfangs Oktober zu ersten Regenfällen käme, danach es nochmals richtig heiss würde, bevor im November oder Dezember dann die Regenzeit begänne. Der erste Regen kam auch schon, nicht nur einmal, sondern in Form von starken nächtlichen Gewittern 3-4 mal bereits. Carl ist nun beunruhigt. Wenn es so früh so viel regnet, wird die Regenzeit nicht gut, meint er. Die Gewitter kühlen aber nicht wirklich ab, sondern erhöhen die Luftfeuchtigkeit, so dass ich nun nicht mehr wirklich gut schlafe. Zudem vermehren sich Insekten aller Art explosionsartig.

Das Erstaunliche ist, dass die Pflanzenwelt bei aller Trockenheit zu wissen scheint, dass bald Regen kommt. Sie wartet mit Ausschlagen nicht bis Dezember, sondern blüht jetzt in allen Farben und bildet neue Blätter. Woher die Bäume die Energie dafür nehmen ist mir schleierhaft. Aber es ist schön und nun kann man das Auto auch wieder unter schattigen Bäumen parken, so dass es nicht so stark aufheizt.

Zum Schluss noch eine botanische Rarität: Mein Nachbar Carl, seines Zeichens Pflanzenliebhaber, ist der festen Meinung, dass er der einzige in Namibia - wenn nicht im ganzen südlichen Afrika - ist, der Exemplare der seltenen, schwarz-blühenden “Amorphophallus Abyssinicus” im Garten hat, die zur Philodendron Familie gehört. Vor zwei Wochen merkte ich beim Giessen meines Basilikums, dass da etwas kerzengrade aus der Erde wuchs. Carl hatte vergessen, dass er in dem Topf eine der Exemplare gepflanzt hatte. Sofort wurde der Basilikum ausgegraben und die Pflanze von ihm täglich gehätschelt. Manchmal wächst sie anscheinend nur als Stamm und Blatt, manchmal als Blüte. Er ist nun ganz begeistert, dass von den insgesamt 6 Exemplaren 4 Blüten sind und will morgen die hiesige Zeitung anrufen. Unten seht ihr Bilder der Blüten und es erschliesst sich sofort, woher der Name kommt…




22.10.17 16:51, kommentieren