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Presse

Im November letzten Jahres ereigneten sich in unserem Nachbarland Zimbabwe bekanntlich ungeheuerliche und ziemlich unerwartete Dinge: der “ewige” Präsident Robert Mugabe wurde abgesetzt, die Massen jubelten und der langjährige Vizepräsident kam an die Macht. Ich war während dieser Zeit in ständigem Kontakt mit einigen jungen Leuten, die ich aus Indien kannte. Sie schickten mir die offiziellen Verlautbarungen des Militärs und viele Photos der Kundgebungen. Einer dieser jungen Männer hatte mir damals in Kerala erzählt, dass er “Demokratie” für eine reine Erfindung des Westens und nicht wirklich existent gehalten hatte, bis er mich traf und ich ihm von der direkten Demokratie in der Schweiz erzählte.

Diese ganze Generation hat nur unter Mugabe mit seiner Propagandamaschinerie und mit einer sehr eingeschränkten Presse gelebt. Trotz Internet war es für sie sehr schwer, sich ein Bild der restlichen Welt zu machen, zumal die meisten ja auch nicht ins Ausland reisen können. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob der neue Präsident all seine Versprechen wahrmacht und z.B. auch eine freie und kritische Presse zulässt.

Ich denke, ich habe die Presse hierzulande schon mehrfach erwähnt, möchte diesen blog nun aber vertieft dem Thema widmen. Wie der Artikel unten beschreibt, ist Namibia neben Südafrika das einzige afrikanische Land, deren Regierung sich aus den Medien heraushält und auf Selbstregulierung setzt. Ein Ethik-Code ist Teil dieser Regulierung. In der Anwendung wurde die Namibische Presse letztes Jahr als die freieste in ganz Afrika gelistet und steht sicher der Presse in unseren Ländern in nichts nach.

Ich finde dies für ein so “kleines”, d.h. bevölkerungsarmes und auch junges Land sehr bemerkenswert. Wann immer ich mit Namibiern rede und es sich irgendwie einflechten lässt, lobe ich die Presselandschaft in den höchsten Tönen und sage, sie sollten auf das erwähnte Ranking stolz sein. Denn wir alle betrachten so etwas ja leicht als selbstverständlich und da sind die Namibier nicht anders. Namibia hat zwei TV-Stationen und einige Tageszeitungen. Davon habe ich “The Namibian” schon mehrfach hier erwähnt oder abgebildet. Er erscheint jeden Wochentag, aber ich kaufe ihn nur am Freitag, da er dann eine interessante Wochenendbeilage enthält.

Ich finde immer wieder sehr interessante Artikel zu wichtigen afrikanischen Themen oder internationalen Studien dazu. Bemerkenswert ist, dass auch die SWAPO, die dominierende und seit der Unabhängigkeit regierende Partei, oft kritisch hinterfragt wird. Sie ist in diesem Land das Gegenstück zur südafrikanischen ANC, der zimbabwischen ZanuPF oder auch der angolanischen MPLA, alles Untergrundbewegungen, die nach der Unabhängigkeit zu Regierungsparteien wurden und sich selbst immer noch quasi das Monopol zusprechen, die “wahren” Interessen des Volkes zu repräsentieren. Die Journalisten schauen sich unsere Nachbarstaaten mit all ihren oft unschönen Entwicklungen an und nennen diese beim Namen: Überalterte Machthaber, Korruption, Klientelwirtschaft, Ausbeutung der staatlichen Ressourcen, steigende Kluft zwischen arm und reich, mangelnde industrielle Infrastruktur (ausser SA), Logistikprobleme etc. etc. Wieweit aber die hiesige Presse durch Investigationen schon Veränderungen auf der politischen Ebene bewirken konnte, wie mächtig sie also wirklich ist, konnte ich noch nicht herausfinden.

Meine Lieblingsseiten im “Namibian” sind die immerhin vier Seiten, die den Leserbriefen gewidmet sind. Eine Doppelseite füllen kurze (oder gekürzte) Zuschriften in folgenden (leicht wechselnden) Rubriken: To the President, Health, Education, From the Regions, Service please oder Lost and Found. Eine weitere Doppelseite enthält längere Zuschriften zu aktuellen Themen. Hier kann ich ein bisschen nachspüren, was einige Leute so bewegt bzw. auch, was so in anderen Regionen läuft (oder nicht läuft). Es werden volle Namen genannt und dazu auch Anschuldigungen, Vorwürfe, Gerüchte in Umlauf gebracht, wie ihr unten in einem Beispiel seht. Dies mag zuerst befremden, ich denke aber, dass es vielleicht ein ganz schlaues Instrument ist, um für alle möglichen Unzufriedenheiten ein Ventil zu schaffen. Was es wirklich bewegt? Keine Ahnung. aber das ist bei uns ja ähnlich.


24.1.18 20:05, kommentieren

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Vorsätze

Letzte Woche war die Woche der grossen Sitzungen in meiner Organisation. Am Donnerstag ging der Schulbetrieb wieder los und vorher wurden alle Inspektoren und Schulleiter zur jährlichen Konferenz eingeladen. Hauptthema ist dort jeweils das Abschneiden unserer Region in den Abschlussprüfungen der 10. und 12. Klasse.

Ich habe wohl auch letztes Jahr darüber berichtet: die Zambezi Region landete unter den 14 Regionen bei den 10.Klasse-Tests 2017 auf dem 7.Rang (2016: 6. Rang), bei den Ergebnissen der 12. Klasse auf dem 14. Rang (2016 gleich)! Und verharrt damit nicht nur auf einer unschönen Position, sondern hat sich faktisch sogar verschlechtert. Für den Direktor, der sein Amt 2014 übernommen hat (nachdem er allerdings Jahre Stv. Direktor war) ist dies eine veritable Blamage. Er hat in all den Jahren die Region nicht nach vorne bringen können. So sieht er das auch selber.

An der erwähnten Konferenz wurden denn auch keine feurigen Appelle abgegeben, sondern die Aufarbeitung der Resultate den Inspektoren und ihren Bezirken übergeben. Mit dem klaren Ziel: 2018 MUSS sich etwas ändern. Dies war allerdings auch schon 2017 gesagt worden...

Ich war dann einen Tag später zu einer weiteren Sitzung in kleinem Kreis eingeladen. Worum es geht erfährt man oft erst, wenn man drinsitzt. Wiederum die Inspektoren und alle Leiter der Sektionen. Und hier wurden nun tatsächlich neue Töne angeschlagen: der Direktor und seine beiden Stellvertreter erzählten von einer Klausur, in die sie sich begeben hätten und in der sie “Introspektion” betrieben hätten. Jeder habe ganz ehrlich seine Schwachpunkte aufgelistet und sich überlegt, wie er diese 2018 beheben oder zumindest mildern könne. Weil wir alle zusammen die Resultate zu verantworten hätten und nur wir alle mit ehrlicher Selbstkritik etwas verändern könnten.

Und genau das forderte der Direktor nun von der überraschten Runde: er wolle kein übliches Mit-dem-Finger-auf-andere-Zeigen (“Blame Game”), sondern jeder solle doch bitte mal kurz reflektieren, was er oder sie im vergangenen Jahr hätte besser machen können. Betretenes, ziemlich langes Schweigen, das von ihm aber ausgehalten wurde, bis sich ein mutiger Inspektor zu Wort meldete. Langsam nahm die Diskussion Fahrt auf und Erstaunliches und Wichtiges wurde genannt: dass man zu wenig konsequent sei, zuviel Rücksicht nehme auf Leute, die etwas falsch machten, weil man sie ja alle kenne, dass man auch resigniert habe, weil sich ja eh nichts ändere, dass man den Kontrollaufwand der Schulen unterschätzt habe, dass man schlicht nicht wisse, wie man es denn machen solle etc. etc.

Interessant fand ich nun, dass der Direktor und seine zwei Deputies selber als ihre grösste Schwäche zugaben, dass Fehlverhalten viel zu selten konkrete Konsequenzen habe und so auch nie abschreckend sein könne. Dies ist der Punkt, den meine Kollegen und ich schon lange monieren und weshalb wir auch nie glaubten, dass sich grundsätzlich etwas ändern würde. Mit dieser Aussage und dem doch sehr ernsten Tenor der Sitzung gaben uns die drei zumindest den Eindruck, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen und eigentlich nur gewinnen können. Der Direktor gab uns allen die Hausaufgabe, persönliche Schwächen aufzulisten und Strategien zur Überwindung zu nennen. Dies führte beim Verlassen des Raumes schon zu irritierten Reaktionen. Ein Kollege raunte mir zu, er habe doch keine Ahnung, was seine Schwächen seien….

Was nun freilich aus all den Vorsätzen wird, ob tatsächlich ein fauler oder korrupter Schulleiter/Lehrer mal abgestraft und allen signalisiert wird, dass gewisses Verhalten nicht tolerierbar ist, wird sich zeigen. Ich bin gespannt auf die Resultate und die entsprechende Konferenz im Januar 2019.

14.1.18 15:49, kommentieren