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Workshop

Letzten Montag berichtete mir mein “Counterpart” Jethro, der Chefbuchhalter, dass wir eigentlich zu einem einwöchigen Workshop in der UNAM (University of Namibia) eingeladen seien, der den neuen “Procurement Act” vorstellen und erklären würde. Mit diesen neuen Einkaufsrichtlinien erhofft sich die Regierung ein Eindämmen von Korruption und Missbrauch im Beschaffungswesen. Nun waren wir aber Montag und Dienstag sehr beschäftigt und stiessen erst am Mittwoch zu der Veranstaltung.

Gruppen aus drei Regionen waren in Katima versammelt, Kavongo West, Kavongo Ost und Zambezi, alles in allem ca. 120 Leute. Der Workshop wurde von einem Mitglied des nationalen Ausschreibungskomitees geleitet und uns wurde gleich klar, dass wir gut daran getan hatten, erst am Mittwoch hinzugehen. Zwei Tage lang hatte der Herr von morgens bis abends einen Monolog gehalten über die neuen Richtlinien, was extrem einschläfernd wirkte. Seine Projektion war nur bis zum ersten Tisch sichtbar, alle anderen mussten seinen Ausführungen lauschen, wenn sie denn überhaupt noch geistig präsent waren. So ging es noch bis zur Mittagspause, aber dann kam die Gruppenarbeit.

Nach einem wie immer üppigen Mittagessen (Pap, Fleisch und Gemüse, dazu süsse softdrinks) wurden Tische zusammengeschoben und der Herr gab zum Glück alle relevanten Dokumente per USB-stick raus. Ich (einzige Weisse) konnte mich noch erfolgreich dagegen wehren, als Chairperson ernannt zu werden, musste mich dafür aber verpflichten, als Sekretärin zu fungieren. In unserer Gruppe befanden sich 20 Leute, aber leider nur 3 laptops. Die Aufgabe war es, einen ganzen fingierten Tender durchzuspielen und alle relevanten Dokumente auszufüllen.

Aber wie oft in so Gruppenarbeiten ging es zuerst darum, sich überhaupt zu organisieren und einen gemeinsamen Nenner zu finden. Dies gelang nach einer halben Stunden, nachdem klar war, dass wir uns am besten aufteilen: eine Kleingruppe erarbeitete das “Bidding document”, eine andere drei verschiedene Angebote (bids), wir die Planungsunterlagen. Wir hatten uns entschieden, eine neue Town Council zu sein, die 5 geländetaugliche Autos kaufen will.

Der Mittwoch Nachmittag ging ins Land, wir kamen gut voran, am Donnerstag waren wir schon weniger Leute, nur ich musste natürlich die ganze Zeit präsent sein, da auf meinem Laptop alle Dokumente waren. Wir verglichen unsere verschiedenen erarbeiteten Dokumente und stellten einige Ungereimtheiten fest. Das kostete Zeit. Erst am Nachmittag erfuhren wir dann, dass am Freitag bereits um 9.30h mit den Präsentationen begonnen werden sollte. Alle schauten mich mit gewinnendem Lächeln an: ich würde doch sicher die Powerpoint-Präsentation am Abend noch fertigstellen, oder? Na klar, hab ja sonst nicht viel zu tun (was hier nun wirklich stimmt)!

Freitag dann die Präsentationen der 6 Gruppen. Zum Glück alle mit mehr oder weniger den gleichen Fehlern. Das Prozedere ist unglaublich komplex, man möchte halt alle Umgehungslücken ausschalten. Wenn ich so die Teilnehmer anschaue und das Verständnisniveau in unserer Gruppe dann bin ich schon sehr skeptisch, was die Erreichung der Zielsetzung angeht. Andererseits ist diese Aktion sicher zu begrüssen und der vortragende Herr hat sogar seine Mobilnummer zur Verfügung gestellt und jeden ermuntert, bei der geringsten Unklarheit sofort anzurufen. Wie ich langsam merke, ist die Hauptfrage aber immer: wer kontrolliert eigentlich die Einhaltung der Richtlinien? Haben Beamte Konsequenzen zu befürchten, wenn sie es halt doch handhaben, wie sie es immer getan haben?

Unterm Strich habe ich viel gelernt über ein Thema, das mir so noch nie begegnet ist. Und die Finanzabteilung muss jedes Einkaufsbegehren absegnen und sollte natürlich mit den Bestimmungen vertraut sein (v.a. Jethro, auf dem Bild links neben mir). Auffallend war der hohe Anteil an Frauen, die auch in unserer Gruppe eine gute, aktive Rolle spielten. Ansonsten ist die Disziplin in solchen Veranstaltungen immer sehr schlecht, es ist ein ständiges Kommen und Gehen, es wird wenig mitgeschrieben und ich bewunderte die Geduld des Präsentators. Er erzählte mir, dass dies bereits die vierte Veranstaltung sei (die er als “gut gegangen!” qualifizierte) und noch 8 weitere folgen würden!

6.8.17 14:01, kommentieren

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Nomen est omen

Von meinen früheren Begegnungen mit Afrikanern wusste ich bereits, dass Kinder hier immer zwei Vornamen bekommen, einen lokalen und einen “internationalen”, meist englischen (wie übrigens auch in einigen asiatischen Ländern). Also z.B. Elina Chikoma Kabungwa. Das macht Sinn, denn die lokalen Namen sind zum Teil nicht klar dem Geschlecht zuzuordnen und auch für nicht Ortsansässige manchmal schwer zu verstehen oder zu schreiben. Das weiss ich, da manchmal sogar den Kollegen in Windhoek ein hiesiger Name buchstabiert werden muss. In meinem direkten Büroumfeld habe ich bis jetzt allerdings nur ganz normale, geläufige Namen vorgefunden: Anna, Maria, Miranda, Brian, Roy, Olivia, Sara, Martin etc.

Erst eine Diskussion mit meinen Nachbarn, die sich über die unkontrollierte Praxis der Namensgebung aufregten, hat mich sensibilisiert und ich habe angefangen, die Namen der Lehrer auf den Salärlisten etwas genauer zu studieren. Da sticht besonders uns ins Auge, dass es immer noch viele alte Deutsche Namen gibt: Hilda, Frieda, Berta, Oscar, Herbert, Hans, Gertrude, Rosemarie, Petra und so weiter. Das wirkt für uns in Kombination mit den afrikanischen Namen etwas merkwürdig, ist aber noch kein Grund zur Aufregung.

Auch eher ungewohnte Namen finden sich hier wie Jethro, Rosco, Dile, Chrispin, Moses, Aldrin, Ophelia, Hamlet. Namenskombinationen wie Johnick, Elmary, Annastancia oder Jennicarm zeugen von Kreativität und/oder besonderem Traditionsbewusstsein, wenn nämlich die Namen beider Grossväter oder -mütter quasi zusammengeschnitten werden. Natürlich werden den Kindern, wie bei uns auch, gerne Namen gegeben, die auf ihren vorzüglichen Charakter rückschliessen lassen: Happy, Lucky, Beauty, Gladness, Patience, Delicious, Progress, Variety, Precious, Trendy, Witty oder schlicht: Best! Auch Bornbright ist ein schöner, beliebter Name, von dem wir uns inspirieren lassen könnten.

Richtig spannend wird es, wenn die gewählten Namen klar die beruflichen Ambitionen der Eltern widerspiegeln, indem sie ihren Sohn Professor, Rector, Reverend, Sheriff oder kurz Winner nennen, die Tochter Queen, Princess, Fortune oder Trophy. Diese Zukunftswünsche kippen allerdings manchmal ins Makabre, wenn allen Ernstes Namen wie Killer oder Junkie gewählt werden. Da wünscht man sich, dass den armen Kindern da keine “self-fulfilling prophecy” mit auf den Weg gegeben wird.

Viele Eltern scheinen aber bei aller Liebe keinen existierenden Namen zu finden, der zu ihrem besonderen Kleinen passt und erfinden halt einfach selber einen. Dies führt zu seltsamen Kreationen wie Sarriety, Calicious, Ocacious, Harviety, Lucious, Royeen, Auxilia oder Alphinister! Oder sie hängen eine gefällige Endung an bestehende Begriffe und kommen so zu Loveness oder Brideness. Man erahnt, was die Eltern ausdrücken wollen, es klingt aber irgendwie falsch.

Einfach nur falsch geschrieben werden auch manchmal englische Namen und die Kinder laufen dann mit Borniface oder Bornface (statt Boniface) rum, mit Handrick statt Hendrick, Grecious statt Gracious, Sanety statt Sanity oder Molicious statt Malicious (was auch nicht sehr positiv ist). Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.

Was aber nun meine Nachbarn Carl und Elmari (nach den Grossmüttern Elisabeth und Mary) so aufregte war, dass Eltern, deren Kinder eine eher unangenehme Überraschung darstellten, vom Registrierungsbeamten nicht daran gehindert werden, dies im Namen auszudrücken. Sie kennen zwei Männer, einer heisst Nothing, der andere Mistake! Welche Traumata diese Kinder mitbekommen haben in einem Land, in dem fast jeder ein bisschen Englisch kann, mag man sich gar nicht vorstellen.

Bei aller Kritik merkt ihr aber, dass die Namensgebung hier äusserst vielfältig und phantasievoll ist. Anders als in Russland, wo gefühlt jede Frau entweder Olga, Irina, Ekaterina, Svetlana oder Anastasia heisst habe ich hier noch keinen Menschen getroffen, der gleich hiess wie ein anderer. Gerechterweise muss ich anfügen, dass mein Eindruck von Russland wohl nicht stimmte. Zumindest fand das unsere Nanny Olga (sic!), die mir nach einer entsprechenden Bemerkung meinerseits einen Zettel überreichte, auf dem sie alle russischen Frauennamen gelistet hatte (die ich allerdings in Realität noch nie angetroffen hatte). Nach dem Erlebnis werde ich mich hier mit kritischen Bemerkungen zurück halten…

30.7.17 12:29, kommentieren