Letztes Feedback

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Feedback

Die letzte Woche war in vielerlei Hinsicht meine Woche. Es stand das offizielle Feedback-Gespräch an, das einerseits mit meinen Kollegen aus Windhoek - den Länderkoordinatoren - passiert, anderseits auch in einer Dreierkonstellation mit der Partnerorganisation. Wir hatten Glück und der Direktor sowie einer seiner Deputies waren da und nahmen sich auch genug Zeit.

Es ging darum, festzuhalten, wie denn eigentlich mein erstes Jahr so gelaufen ist und was das kommende bringen könnte. Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich nicht allzuviel Kontakt mit meinen Vorgesetzten hatte, immer mal wieder sachbezogen natürlich, auch in Sitzungen. Aber mir war nicht klar, was sie wirklich von meiner Arbeit mitbekommen hatten. Umso erstaunter war ich doch, dass der Direktor eine sehr dezidierte - positive - Meinung hatte. Er hob besonders hervor, wie sehr ich der Organisation und ihm geholfen habe, als mein Kollege Ende letzten Jahres ausfiel und ich die ganze Buchhaltung übernehmen musste. Ich hätte mich rasch eingearbeitet und ihm sehr mit meinen Vorschlägen geholfen. Na, das hört man doch gerne!

Fast noch wichtiger für mich: es scheint auch so, dass ich bis jetzt in kein grösseres Fettnäpfchen getreten bin. Dies ist gar nicht so einfach zu beurteilen, da eine Rückmeldung darüber ja kaum bis zu einem selber kommen würde. Er erwähnte aber explizit, dass er von allen Seiten nur positives Feedback bekommen habe. Mein Kollege Jethro, der dabei war, bestätigte, was er auch mir schon vorher unter vier Augen gesagt hatte: Dass er unheimlich erleichtert ist, dass ich “seine” Sektion so aufgeräumt und umorganisiert habe. Er hat jetzt das Gefühl, alles sei aktuell, geordnet und auch die Mitarbeiter hätten ihre Routinen verändert. Auch er hat keine Beschwerden gehört, obwohl ich schon manchmal etwas bestimmter aufgetreten bin. Jeder, der mich kennt weiss, dass ich durchaus dominant wirken kann. Das zusammen mit meinem Alter könnte also durchaus zu dem Eindruck führen: was will die uns hier erzählen und alles bestimmen?

Es wurde auch beschlossen, dass ich im kommenden Jahr auch für andere Abteilungen arbeiten werde, insbesondere mehr für die Personalabteilung. Ich habe mich allerdings mit zu konkreter Planung zurückgehalten - man wird ja schliesslich aus Erfahrung schlau und meine allererste Excel-Planung für 2017 habe ich immer noch aufbehalten - für Momente, wenn ich mal richtig über mich selbst lachen will!

Das Gespräch mit dem Direktor war auch aus dem Grund wichtig, als er uns per Ende April verlassen wird. Er wurde zum “Permanent Secretary” (Staatssekretär?) befördert und wird die Belange der Regierungspartei SWAPO im Büro des Präsidenten Hage Geingob leiten. Eine politische Stelle also, die sicher nicht seine letzte sein wird, er scheint grosse politische Ambitionen zu haben. Für uns natürlich nicht schlecht, einen Bekannten und v.a. Fürsprecher der Region im Machtzentrum zu haben. Am Freitag nachmittag hat er bereits alle Geschäfte an den Stellvertreter übergeben und sich von seinem engsten Mitarbeiterkreis verabschiedet. Er nutzte seine Situation, auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen zu müssen, zu einer sehr ehrlichen “Abrechnung”. Man hatte ihm das Leben wohl nicht immer leicht gemacht innerhalb des Direktorats.

Der andere Deputy Director Robert, mit dem ich eigentlich mehr Kontakt hatte, erlitt im Februar einen schweren Schlaganfall und befindet sich noch in der Reha. Es bleibt nun also nur der zweite Deputy Joseph. Ob er als Direktor nachrückt, ist offen, die Stelle muss ja ausgeschrieben werden. Ich hoffe sehr, dass kein Führungsvakuum entsteht, das könnte sich die Region nicht leisten.

8.4.18 11:34, kommentieren

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Osterausflug

Vier Tage Ostern boten Gelegenheit, endlich mal wieder einen Ausflug zu unternehmen und aus Katima heraus zu kommen. Meine Kollegin Regula und ich besprachen die Idee vor ca. drei Wochen und waren uns einig, dass wir gerne mal etwas anderes als den Chobe National Park entdecken würden. Sie suchte und fand den Namushasha Campground, der an die gleichnamige Lodge angeschlossen ist. Es gibt nur 6 Plätze und wir hatten Glück und buchten einen davon.

Diese Lodge liegt von hier gesehen im Westen. Da, wo die Zambezi Region schmal und “geradlinig” wird fliesst der Fluss Kwando quer hindurch und bildet gen Süden und dann Osten die Grenze zu Botswana. Bei Kongola biegt man ab und fährt noch ca. 20km. Es reihen sich einige Lodges und Campingplätze entlang dem Fluss, da dieser natürlich auch schöne Bootstouren bietet. Gegenüber des Flusses beginnt der Bwabwata NP, über den ich bereits mal geschrieben habe.

Karfreitag Mittag fuhren wir los und waren nach ca. 1,5 Stunden dort. Jeder Campingplatz hat grosszügige ca. 1000m2, Blick auf einen Nebenarm des Kwando, ein reetgedecktes Dach, um bei Regen zu zelten, einen Sandplatz mit Grill, ein eigenes Badehäuschen mit einem mit Holz befeuerten Durchlauferhitzer und Spüle. Sehr luxuriös also, zumal man alle Annehmlichkeiten der Lodge auch nutzen kann (Pool, Terrasse, Restaurant, Ausflüge, Shop). Die Lodge gehört zur namibischen Gondwana-Gruppe, die insgesamt etwa 10 sehr schöne Lodges führt.

Wir stellten Regula’s kleines 2-Frau-Zelt auf dem Sandplatz auf, Tisch und Stühle, und genossen die Stille und den wunderbaren Ausblick. Abends wurde auf dem Gaskocher gekocht und Boerewoers gegrillt (ich habe ja zum Glück einen kleinen Kühlschrank im Auto). Nach einer Flasche Rotwein fielen wir in tiefen Schlaf. Frühmorgens wecken einen die vielfältigen Vogelstimmen und die aufgehende Sonne. Mein Leben lang bin ich keine grosse Camperin gewesen, aber ich muss wirklich zugeben, es hat was.

Nach einem gemütlichen Frühstück (für das ich ein Vollkornbrot selber gebacken hatte!!) fuhren wir noch ein Stück weiter gen Süden, um uns den Mudunu National Park anzusehen, den wir beide nicht kannten. Die Dame am Eingang warnte uns, dass die Naturstrasse nach dem Regen teils sehr matschig und schlammig wäre und gab uns ihre Mobilnummer. Sie hatte aber nicht mit meinem Toyota Fortuner gerechnet, der überall gut durchkam. Da es sehr grün ist und Wasser überall steht sieht man längst nicht so viele Tiere wie in der Trockenzeit, dafür ist es landschaftlich einfach wunderschön. Wir sahen aber immerhin Impalas, Zebras, Giraffen, Affen und auch einen einsamen Elefanten.

Nachmittags dann ging’s aufs Wasser, wir hatten eine Bootsfahrt gebucht, was einfach immer ein Erlebnis ist, Tiere hin oder her. Wir sahen eine grosse Hippofamilie im seichten Wasser. Riesige Köpfe der Mütter und des einzigen Männchens tauchten auf neben den kleinen der Jungtiere. Dazu das Schnauben und Gähnen - so hässlich sie sind, sie sind auch immer unterhaltsam. Man darf einfach nicht zu nahe heranfahren, besonders, wenn Junge dabei sind (aber das gilt eigentlich für alle Tiere). Dazu sahen wir Krokodile und natürlich viele wunderschöne Vögel - vom Kingfisher bis zum Fischadler.

Abends waren wir bei unseren Kollegen aus Windhoek eingeladen, die zufällig auch auf dem Campingplatz waren. Dort gab es leckeren Potjie, auf dem Feuer gekochten Fleischeintopf. Und: ich probierte einen namibischen Grappa, der sehr lecker war. Ich habe die Adresse (es gibt auch Wein) und werde dort sicher bei meiner nächsten Windhoek Fahrt vorbeigehen….!

Während wir ums Feuer sassen hörten wir plötzlich einen Löwen brüllen. Weit weg, aber klar zu identifizieren. Wir nehmen an, dass er sein Revier verteidigte, er bewegte sich hin und her. Später im Zelt und während der ganzen Nacht hörte ich ihn immer wieder und fand, dass doch kaum etwas Afrika so definiert wie dieses Gebrüll - ausser vielleicht Trommeln.

Gestern Sonntag dann Frühstücken und Lesen, ein Drink in der Lodge und am frühen Nachmittag Aufbruch. Wir nahmen wieder die Strasse dem Fluss entlang zurück nach Katima, was etwas weiter ist, aber landschaftlich viel schöner. Und heute dann ein ruhiger Tag auf der Terrasse...




2.4.18 17:57, kommentieren