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Besuch

Kaum war ich wieder im Büro und widmete mich der unendlichen Geschichte möglicher “Ghost Teacher” bekam ich Besuch aus dem Nachbarland Zambia. Meine Freunde Lis und Maurice, die beide zwei Autostunden östlich von Lusaka in einem Dorf wohnen und dort für ein Altersheim bzw. für Kleinkreditvergabe arbeiten, kamen auf der Rückreise ihrer dreiwöchigen Namibiareise bei mir vorbei. Nach vielen Nationalpark-Besuchen und Tierbeobachtungen in Zambia waren sie vom Süden Namibias mit seinen abwechslungsreichen Wüstenlandschaften begeistert.

Wie mit meinen Kindern erprobt kann ich ja zwei Personen beherbergen, allerdings wird es dann sehr eng. Und so stellte Maurice einfach den Wagen neben meine Terrasse, klappte das genial praktische Dachzelt auf und schlief dort. Am ersten Abend hatte ich ein Braai vorbereitet (jede(r) Leser(in), der/die das immer noch nicht versteht, soll bitte im blog etwas zurückscrollen..) mit Carl’s köstlichen selbstgemachten Boerewoers. Am Mittwoch musste ich im Büro den finalen Report über obengenanntes Thema fertigstellen, konnte also nicht frei nehmen. Das war völlig ok, da die beiden in Katima so einiges besorgen wollten und - ich war ganz stolz auf mein Städtchen - auch alles bekamen. Abends bekochten sie mich, wieder mit einem Braai und Gemüse.

Donnerstag dann kompensierte ich einen der beiden Sonntage, die ich mit der Fahrt nach Windhoek verbracht hatte. Morgens frühstückten wir gemütlich auf der Terrasse, bevor es dort zu heiss wird. Danach revanchierte ich mich bei Lis für den Haarschnitt, den sie mir an Ostern bei sich in Mpanshya verpasst hatte und schnitt ihr die Spitzen. Dann hängten wir alle zusammen die fünf neuen Bilder auf, die ich mir auf meiner Reise gekauft hatte - das sieht jetzt wirklich gut und noch etwas wohnlicher aus. Nach dem Mittag fuhren wir in eine Lodge, denn ich hatte sie zu einer halbtägigen Bootsfahrt auf dem Zambezi eingeladen.

Wir hatten optimistisch unsere Badesachen (!) an, Fernglas und Snacks dabei, Getränke waren von der Lodge geliefert. Erst tuckerten wir flussabwärts, sahen winzig kleine, eben geschlüpfte Krokodile (es ist jetzt Saison), Hippos natürlich und viele Vögel. Dann fuhren wir flussaufwärts, da ich ihnen die schöne Sandbank zeigen wollte, auf der wir mit einer Gruppe von Leuten vor einigen Wochen waren (hier ebenfalls berichtet). Wir fanden sie auch und auf ihr viele Jugendliche aus Zambia, da das Wasser jetzt so tief ist, dass sie von ihrem Ufer einfach herüberlaufen können. Leider belagerten sie uns ziemlich, in bester Absicht und Neugierde, aber mit Planschen im Wasser war so natürlich nichts.

Wir gingen also zum Boot zurück und der Bootsführer versprach uns, eine schöne Sandbank ohne Krokodile zu finden, wo wir ins Wasser können. Es wurde ziemlich windig, aber tatsächlich fand er die Sandbank mitten im Fluss (weder Zambier noch Namibier in Sicht!) und Lis und ich nahmen ein erstes, wunderbar erfrischendes Bad im Zambezi. Maurice blieb unter dem Vorwand, nach Krokodilen Ausschau zu halten und Bilder zu machen, im Boot. Nachher fuhren wir gemächlich zur Lodge zurück, wo wir auch zu Abend assen.

Freitag Morgen fuhren sie weiter über Livingstone nach Hause. Wieder einmal bewahrheitete sich, dass man sich zwar im Ausland nicht so oft sieht, aber wenn, dann richtig viel “Quality time” miteinander verbringt. Interessant war v.a. ihr Vergleich der beiden Länder Zambia und Namibia, dazu ein anderes Mal mehr.




1.10.17 15:29, kommentieren

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Haarpracht

Letzten Dienstag war mein erster Bürotag nach den Ferien und mein Namengedächtnis wurde wieder einmal auf eine harte Probe gestellt. Es ist hier nämlich so, dass sich die Damen über Nacht in ihrem Aussehen ganz massgeblich verändern können - über ihre Frisur. So hatte meine neue Kollegin Angela, die ich als sportliche Frau mit Kurzhaarfrisur kennengelernt hatte, plötzlich eine wildgelockte Wallmähne. Wenn man wie ich also sowieso schon mit Namen und Gesichtern hadert so können diese Ueberraschungsveränderungen gewisse Peinlichkeiten mit sich bringen. Es empfiehlt sich daher, sich v.a. das Gesicht gut einzuprägen.

Wie die Poster unten zeigen sind der Phantasie bei der Haarpracht keine Grenzen gesetzt: Zöpfe kennen wir, diese werden aber zu Gebilden aufgetürmt, verschlungen, verziert und gepolstert, dass es eine wahre Freude ist. Dazu kommen Färbungen, Glättungen, Verlängerungen, Stoffschals etc. Und dann natürlich die Perücken oder Haarteile, die wiederum frisiert werden, bis man gar nicht mehr weiss, wie denn die Frau “in nature” eigentlich aussieht. Es kann durchaus sein, dass sich also der Kopf einer Kollegin pro Woche 3-mal grundsätzlich verändert

Für uns ist die Vorstellung, bei den momentan 40 Grad, die wir haben, eine Perücke zu tragen, kaum erträglich. Wie ein interessanter Artikel kürzlich in der NZZ aber ausführte hat Haarschmuck in Afrika eine sehr eigene, kulturell bedingte Bedeutung, die lange zurückreicht und mehr ist als das politische Statement z.B. "für Afro". Auch wir wissen ja aus den letzten 100 Jahren in Europa, wie sehr Haare Überzeugungen ausdrücken, angefangen mit den Beatles über Punks zu Neonazis. So politisch oder ideologisch aufgeladen nehme ich allerdings die “Haarspielereien” hier nicht wahr. Weder wird nur dem glatten Haar als einzigem Schönheitsideal gefrönt noch ist ein exakter Kurzhaarschnitt tabu. Es stellt sich für mich als konstantes Austesten der eigenen Verwandlungsfähigkeit dar, vielleicht auch ein wenig als Statussymbol einer Mittelschicht, die sich die häufigen Friseurbesuche leisten kann. Meine Maid Caroline hingegen kommt immer mit denselben kurzen, anliegenden Zöpfen daher.

Frisiert wird überall, in improvisierten “Salons”, am Wochenende auf dem Markt oder auch einfach auf dem Bürgersteig. Wann immer ich solche Szenen beobachte denke ich, dass der wahre Grund für die häufigen Frisurwechsel vielleicht auch einfach nur soziale sind: es sitzen meist Gruppen von Frauen zusammen, frisieren sich gegenseitig und schwatzen, was das Zeug hält. Und dies anscheinend von klein auf. Meine Kollegin Anna erzählt, dass sie ihrer 8-jährigen Tochter einmal im Monat eine neue Frisur spendiert. Für mich sind diese Salons hingegen unbrauchbar, da kaum auf exakte Schnitte glatter Haare spezialisiert. Daher hat mir Ella in den Ferien die Spitzen geschnitten.

Dass es auch bei Männern Varianz gibt oder geben kann sieht man auf dem Plakat eines Friseurs unten, in der Praxis begegnen mir im Büro v.a. glattrasierte Schädel. Dies ist wohl am praktischsten und in der Geschäftswelt akzeptiert. Namibia’s Präsident hingegen leistet sich einen Kurzhaarschnitt und Ziegenbärtchen…!





24.9.17 13:43, kommentieren