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Nachbar

Mein Nachbar Carl hat mir die Erlaubnis gegeben, einen blogbeitrag über ihn zu schreiben - so lange er nicht auf Bildern posieren muss! Ich hatte ihn und seine Partnerin Elmari bereits kurz vorgestellt. Heute möchte ich berichten, wie Carl mich v.a. kulinarisch überrascht und beglückt.

Erst einmal aber ist Carl ein Naturfreund. Er pflanzt unermüdlich Bäume, Blumen und Sträucher, er unterhält zwei kleine Gemüsegärten und zwischen unseren Häusern stehen viele Töpfe mit Kräutern, ich darf mich einfach bedienen. Meine Terrasse hat er mit Basilikum, Blumentöpfen und Bäumchen verschönert. Wenn er eine Motorsäge hört, tut es ihm in der Seele weh, dass da wieder ein Baum gefällt wird. Das wird hier oft gemacht, aber das ist ein anderes blogthema. Carl liebt auch Vögel, denen er ein hohes, für Hund und Katze unerreichbares Vogelbad gebaut hat, in dem sie sich vergnügen. Und dann natürlich seine Hunde, die gut versorgt und gesund sind. Weil er sie so liebt, hasst er Krokodile: zwei Hunde musste er schon hergeben, weil sie beim Trinken am Fluss von Krokodilen angegriffen und zum späteren Verzehr ins Wasser gezogen wurden.

Zu meinem Einzug schenkte mir Carl ein Glas selber eingelegte (“pickled”) süss-saure Chili aus dem Garten. Nature oder mit einem Stückchen Fetakäse drin einfach köstlich. Er doppelte mit einem Glas eingelegte Zwiebeln nach, von denen ich zugegebenermassen noch viele habe. Etwas später fragte er mich, ob ich nicht eine Schüssel Sauerkraut haben wolle, selbstgemacht, versteht sich, er habe zuviel davon. Wiederum eine leckere Sache mit Kartoffeln und Wurst v.a im hiesigen Winter. Danach kam er mit einem Tellerchen und liess mich frische sogenannte “Rusk” probieren. So heissen hier harte, nahrhafte Stengel, teils mit Nüssen, teils mit Haferflocken, ähnlich italienischen Biscotti. Nachdem ich meine Begeisterung gemeldet hatte stand eine ganze Plastiktüte davon vor meiner Tür. Die habe ich inzwischen alle gegessen, v.a. im Auto, da sind sie sehr praktisch. Nach einer Reise in den namibischen Süden brachte er mir eines Tages Wüstentrüffel mit, die weniger starken Trüffelgeschmack als unsere aufweisen, aber sehr gut als nussiges Gemüse zu essen sind, wie er mir zeigte.

Aber als ehemaliger Polizist ist Carl “natürlich” auch ein Jäger. Vor drei Wochen besuchte er seine betagte Mutter. Er lud zwei Tiefkühltruhen auf seinen Pick up und ging auf dem Rückweg mit seinem Sohn jagen. Sie erlegten (auf einer Jagdfarm) ein “Red Hartebeest” (wie ein kräftiger Springbock) und ein Warzenschwein. Ausserdem kaufte er noch ein halbes Rind. Er kam also mit über 200kg Fleisch zurück. Dies liess er vom Metzger zerlegen. Und jetzt ging es richtig los: die aus einem alten Kühlschrank selbstgebaute Räucherkammer wurde angeworfen (s. Bild unten), und Carl musste Nacht für Nacht alle 3 Stunden aufstehen und nachheizen. Die Kammer kannte ich schon von einem früheren Projekt, in dem er selber Speck räucherte. Ich probierte, musste ihm aber gestehen, dass ich kein grosser Speckfan bin. Nach drei Tagen nun brachte er mir je ein Stück Rauchfleisch vom Warzenschwein (helles Fleisch unten) und vom Hartebeest. Sie sind wie sehr frische, feuchte Mostbröckli, und das ist deutlcih mehr nach meinem Geschmack! Dies ist nun mein täglicher Abendsnack.

Doch das war natürlich erst der Anfang. Nach zwei weiteren Tagen sagte er mir, er habe für mich einen “warthog pie” gemacht, ich könne ihn in den Ofen schieben, wann ich wolle. Das tat ich letzten Freitag und wiederum war es ein etwas ungewohntes, nach Wild schmeckendes, sehr feines Abendessen. Letztes Wochenende nun holte er seine Wurstmaschine hervor und produzierte Salamis (s.u.). Dies allerdings ist wohl heikel, auf jeden Fall probiert er gerade sein viertes Rezept aus, denn bisher wurden die Würste nicht fest genug. Wieder wurde geräuchert, ich habe das Resultat noch nicht probieren können. Und als ich eben drüben war steht eine Plastik-Kinderbadewanne auf dem Tisch, voll mit Fleisch. Das wird heute durch den Wolf gedreht und als Hackfleisch gebraucht. Einen Teil des vielen Fleisches will er wohl an Freunde und Bekannte verkaufen, es ist auch fast nicht allein zu konsumieren.

Bei einem Drink neulich erzählte mir Carl, dass es ausserdem ein Hobby von ihm ist, alte Kochbücher zu suchen, zu kaufen und zu lesen. Er zeigte mir ein südafrikanisches Exemplar von 1932.Er fragt auch viel nach europäischen Rezepten und Gewohnheiten und es tut mir immer leid, dass ich da nicht die allerbeste Gesrpächspartnerin für ihn bin. Ihr seht also, ich laufe keinerlei Gefahr, hier zu verhungern oder nicht in typische namibische Fleischprodukte eingeweiht zu werden. Und da Elmari, die diese Versuche und Produktionen seit 15 Jahren mitmacht, beim Probieren meist müde abwinkt bin ich die bevorzugte Vorkosterin. Und heute hat Carl Geburtstag, gleich gehe ich zu einem Glas Wein rüber: Happy Birthday, Carl!






20.8.17 10:00, kommentieren

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Braai

Nach einem halben Jahr im Land wird es höchste Zeit, euch mal den (das?) Braai vorzustellen. Es ist das südafrikanische Equivalent zum BBQ, und unser biederer Begriff des “Grillfests” auf Deutsch zeigt schon, dass wir diese Aktivität nicht erfunden haben. Als extrem fleischorientiertes Land, das dazu noch mit frischem Meeresfisch gesegnet ist wird in Namibia konstant alles auf einem offenen Feuer geröstet - bei denen, die keine Elektrizität haben, sowieso. Überhaupt wird oft und gerne ein Feuer gemacht, auch ohne Grillen, meine Nachbarn z.B. machen jeden Abend zum Sonnenuntergang eins.
Der Ausdruck “Braai” kommt aus dem Afrikaans und heisst einfach “braten”. Ich habe auf meiner Terrasse auch einen schönen soliden Grill, brauche ihn allein aber selten. Da es hier so viel tropisches Holz gibt, das dicht und schwer ist, wird kaum Holzkohle gebraucht.

Am Samstag nun haben einige “Eingewanderte” (8 Leute, v.a. Ausländer, die bei NGOs arbeiten, und ein Hund) einen Braai auf einer Flussinsel organisiert. Da ich einige von ihnen schon kannte, wurde ich auch eingeladen. Um 11h war Treffpunkt in einem Hotel am Fluss, von dem es mit dem Boot zu einer Insel ging. Die Insel ist eigentlich eine Sandbank, die bei Hochwasser bis auf ein paar Bäume unter Wasser liegt. Als wir ausstiegen, um die unzähligen Kisten, Stühle, Taschen etc. zu den Bäumen zu tragen amüsierten wir uns erst einmal über die seltsamen Geräusche, die der Sand beim Laufen macht: es quiekt und quietscht bei jedem Schritt, ob barfuss oder mit Schuhen. So etwas hatte ich noch nie erlebt und ich war schon auf verschiedensten Stränden unterwegs. Die Naturwissenschaftler unter uns erklärten, dass dies extrem feiner Sand ist, der bei der Reibung so klingt - fast etwas wie frischer, trockener Schnee. Ich hab es aufgenommen und Ella geschickt und sie fühlte sich eher an das Quieken von Delphinen erinnert...

Als wir alles in den Schatten unter den Bäumen getragen hatten gab’s den ersten Drink, köstliches Savannah (Cider). Einige machten dann einen Spaziergang über die grosse Sandbank, einige, wie ich, spielten Ball und Frisbee, einige sahen zu. Gegen 14h wurde das Feuer in einer alten Lastwagenfelge gestartet und jeder legte sein Grillgut drauf (ich hatte lamb racks gekauft und mariniert). Jeder hatte Salat, Brot, Getränke mitgenommen, ich noch einen Kuchen zum Nachtisch und so war es ein leckeres Essen an gedecktem Tisch in wunderschöner Umgebung. Da das Wasser nun immer weiter zurückgeht war es neben der Insel ganz flach und klar, so dass man gefahrlos durchwaten und sich die Füsse kühlen konnte. Die Krokodile - an denen wir im Fluss vorbeigekommen waren - können dort nicht mehr hinschwimmen, dennoch hielten wir natürlich immer Ausschau.

Um 17h dann die ganze Sache rückwärts. einpacken, zum Boot schleppen und zurück tuckern. Die Kosten für das Boot wurden geteilt, was bei so wenigen Personen ca. 10CHF kostete. Zuhause erst einmal unter die Dusche, Abendessen fiel flach. Leider scheine ich mich aber erkältet zu haben, denn gestern Sonntag war ich mehrheitlich im Bett. Daher der blog erst heute, wo es schon besser geht und ich wieder im Büro bin.







14.8.17 17:54, kommentieren