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Wochenenden

Vorletzten Freitag wurde ich gefragt, ob ich nicht mit den mittlerweile zwei anderen Schweizer Singlefrauen hier (Regula und Stephanie) campen gehen möchte - natürlich, gerne! Ich offerierte mein Auto plus Benzin und profitierte im Gegenzug von einer einwandfreien Campingausrüstung Stephanie’s: Zelt, Schlafmatten, Stühle, Tisch, Geschirr, gusseiserner Topf für’s Feuer. Wir teilten die Essenseinkäufe auf - ich leistete mir noch einen Schlafsack - und fuhren Samstag gegen Mittag los. Diesmal gen Westen in den Mbwabwata-Nationalpark. Der liegt vor und in dem dünnen Pfannenstiel der Zambezi Region. Wir fuhren zu einem Campingplatz genau dort, wo sozusagen der Stiel in die Pfanne übergeht. Hier fliesst ein kleinerer Fluss (Kwando) von Norden (Angola) quer durch Zambezi und bildet ab hier die südliche Grenze Namibia’s zu Botswana.

Der Campingplatz wird von einem Briten geführt, der seit 10 Jahren hier lebt. Nur wenige, sehr schöne, abgetrennte Plätze mit kleinen Rundhütten, die Toilette, Dusche und eine kleine Küche enthalten. Daneben eine schöne Feuerstelle und gratis Holz. Alles sehr gepflegt und komfortabel. Wir bauten das Zelt unter dem Schatten eines grossen Baumes auf und genehmigten uns erst einmal einen kühlen Drink. Dazu muss ich anfügen (falls ich es nicht schon geschrieben habe), dass ich mir fürs Auto einen luxuriösen Kühlschrank gekauft habe, der über den Zigarettenanzünder gekühlt wird (ich habe zwei Batterien im Auto). Dieser kühlt bestens und bleibt v.a. auch nach Abstellen des Motors noch recht lange kalt.

Es ergab sich nachmittags die Gelegenheit, mit zwei Deutschen eine Bootstour auf dem Flüsschen zu machen, das allerdings einige Kilometer von dem Campingplatz entfernt verläuft. Der Platz liegt an einer Lagune, die mit einem natürlichen Kanal mit dem Fluss verbunden ist. Allerdings ist nun in der Trockenzeit der Kanal sehr seicht und viele Pflanzeninseln verfangen sich darin. Der arme Brite, Dan, musste also ins Wasser steigen und das Boot buchstäblich mit eigener Kraft durch das Gestrüpp ziehen - in Krokodil-verseuchtem Wasser notabene!

Später sahen wir unzählige Hippos, Elefanten, Giraffen, Büffel und natürlich wie immer viele schöne Vögel. Mit meinem neuen starken Fernglas kann ich sie nun schon richtig einordnen. Abends Gemüse- und Fleischeintopf überm Feuer und bald ins Zelt. Da wir am Sonntag früh auf den Beinen (6.30h!!) und bald fertig waren mit Frühstücken und Einpacken drehten wir noch eine Runde mit dem Auto im Nationalpark. Wieder einmal bewährte sich mein Fortuner (und seine Fahrerin bestens in tiefem Sand.

Dieses Wochenende stand dafür im Zeichen des Haushalts: Wäsche waschen, Auto putzen, Teile der Gipsdecke neu befestigen, mit Carl meinen Basilikum umtopfen, Getränkevorrat aufstocken und sonstiges einkaufen….Da es nun ab mittags sehr heiss wird habe ich meine Sonntags-Spaziergänge für den Moment aufgegeben und heute erstmals das Schwimmbad nebenan ausprobiert. Es liegt ein Stück weiter die Strasse hinunter sehr schön unter Bäumen ebenfalls direkt am Fluss. Morgens um 9h öffnet es und ich war die erste Besucherin (Eintritt 15N$=1.10CHF). Ich bilde mir ein, dass das Wasser vor dem grossen Sonntagsansturm noch ganz ok sauber ist und tatsächlich war es sehr angenehm, kühl und nicht zu chlorhaltig. Das Becken ist nur ca. 25m lang, so dass ich für einen Kilometer 40 Längen schwimmen musste. Der Bademeister dachte wohl, ich käme gar nicht mehr raus und hat zweimal gefragt, ob alles ok sei…

Nachmittags ist es am Wochenende voller Familien und wir haben uns schon mehrfach gefragt, wo die Kinder hier eigentlich schwimmen lernen können. In der Schule wird es nicht gefördert, im Fluss ist es nicht empfehlenswert. Vielleicht machen sie auch nur den "Hundeschwumm" und paddeln herum, ich habe es nie wirklich beobachtet.

Ich halte die Türen meines Häuschens den ganzen Tag geschlossen, nachdem ich morgens gut durchgelüftet habe. So steigt die Temperatur drinnen von morgens 25Grad “nur” auf 35Grad, während draussen über 40Grad im Schatten herrschen. Mit meinem Ventilator, der mir auch jetzt gerade in den Nacken bläst, lässt es sich ganz gut aushalten.



15.10.17 14:05, kommentieren

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Gewissen

Letzte Woche hatten wir Besuch aus Windhoek. Die Finanzchefin und der Personalchef unseres Ministeriums kamen für zwei Tage nach Katima, um sich mit den entsprechenden Teams zu treffen. Aktueller Anlass waren Betrugsfälle, die in der Zeitung standen (https://www.namibian.com.na/59400/read/19-ghost-teachers-arrested): drei Regionen sind involviert, darunter (natürlich?) unsere. 37 Lehrer wurden insgesamt verhaftet, darunter 22 in dieser Region mit dem Verdacht, den Staat Namibia um insgesamt 10mio.N$ betrogen zu haben.

Dies ist natürlich ein heikles Thema und ich muss auch in diesem öffentlichen blog aufpassen, nur Fakten zu schreiben. Der Betrug war nur möglich, weil die Lehrer Komplizen hier im Regionalbüro hatten, konkret in der Lohnbuchhaltung. Zwei Buchhalter haben zusammengespannt, einer hat die ungerechtfertigten Auszahlungen im System vorgenommen, der andere hat sie abgezeichnet. Denn es gilt durchaus das Vieraugenprinzip, aber so kann es eben umgangen werden. Beide sind nicht mehr hier. Den ersten habe ich noch kennengelernt, er hat im März gekündigt, der zweite sass bis letzten Dezember auf meinem Stuhl und ist dann, als die internen Prüfer auftauchten, verschwunden (“absconded”).

Solche Schlagzeilen bewirken Einiges: zum einen wird der Bevölkerung vor Augen geführt, dass der Staat konsequent gegen mögliche Betrüger vorgeht. Zweitens ist es nach Innen als Warnsignal zu sehen, dass diese Dinge (fast) immer auffliegen. Und drittens beschädigt es natürlich den Ruf nicht nur dieser Region, sondern der Erziehungsdirektion insgesamt. Menschen differenzieren nicht und nennen einfach alle Fälle oder Unregelmässigkeiten “Ghost Teacher”, also Namen auf Lohnlisten, die dort gar nicht hingehören. Dies ist in Zambezi so aber nie passiert, es geht meist um Zusatzzahlungen oder Zahlungen über Vertragende hinaus.

Interessant nun die Reaktionen der Kollegen: auf einem whatsapp chat wurde nach Bekanntwerden der Verhaftungen lediglich der Imageschaden beklagt und aufgefordert, für die Kolleginnen und Kollegen im Gefängnis zu beten. Keine Verurteilung der Taten, kein “geschieht ihnen recht” oder eine eindeutige Aufforderung an alle, sich von solchen Aktivitäten fern zu halten. Es klang verdächtig nach Kavaliersdelikt, wenn nicht gar Verständnis. Und so erfahre ich immer mal wieder, dass Mitarbeiter solche Manipulationen anscheinend nicht “automatisch” verurteilen, sondern ihre Vorgesetzten es tatsächlich für nötig halten, sie über die Unrechtmässigkeit solchen Handelns aufzuklären.

Neulich lud die Chief Regional Officer, eine sehr energische Dame, die die Regionalverwaltung hier führt, zu einer grossen Sitzung ein und sprach unter anderem diese Dinge an. Sachen, die für uns völlig selbstverständlich sind, dass Stehlen unmoralisch ist, man sich nicht einfach beim Staat “bedient” oder man bei fehlerhaften Überweisungen darauf hinweist und nicht stillschweigend das Geld ausgibt, werden immer wieder eindringlich thematisiert. Und dies in einer zutiefst gläubigen Gesellschaft.

Auch unsere Gäste aus Windhoek taten dies sehr emotional. Es wurden Beispiele erzählt, wo ein Mitarbeiter sich 7mio.N$ angeeignet hat (ca. 1/2mio. CHF), erwischt wurde und 20 Jahre (!) ins Gefängnis musste. Die Strafen sind drastisch. Der Personalleiter beschrieb, wie der Mann - nun 50 Jahre alt - aus dem Gefängnis kam und nichts mehr hatte, keine Familie, keinen Job und auch kein Geld. Er fragte in die Runde: “Wofür hat er gestohlen? Warum? Was hat er sich davon versprochen?”. Betretenes Schweigen. Was die Leute wohl denken, frage ich mich dann?

Beeindruckt hat mich in der Sitzung, dass alle Führungskräfte ein ausgeprägtes Verständnis von einem Rechtstaat hatten. Die Prozedere waren klar, die Rolle des Ministeriums versus die der Staatsanwaltschaft und auch, dass die Pensionen der Angeklagten tabu sind und sie noch als Verdächtige gelten müssen. Es klang alles sehr korrekt. Im Gespräch neulich mit einem National Park-Ranger fragte ich, warum in Botswana so erfolgreich gegen Wilderer vorgegangen wird und in Namibia nicht. Er antwortete, dass das, was Botswana macht (nämlich im Verdachtsfall sofort auf den Menschen zu schiessen) im Namibischen Rechtstaat unmöglich sei. Er ist sich der strikten Vorgaben bezüglich Beweislast und Rechte des Bürgers sehr bewusst und begrüsst sie auch. Anders hingegen ein Polizist, dessen Diskussion mit einem Kollegen ich kürzlich mit anhören konnte. Er meint, Gefängnis in Namibia sei wie Ferien (“drei gute Mahlzeiten am Tag”) und Sambier, die sie festnähmen, würden immer wieder drum betteln, nicht abgeschoben zu werden, sondern in Namibia ins Gefängnis “zu dürfen”. Er findet, dass Namibia zu lasch ist und v.a. die Polizei zu schlecht ausrüstet. Dadurch entstünde keine abschreckende Wirkung, weil man meint, leicht davonzukommen. Da mag was dran sein.

Meine Freundin Lis erzählt, dass sie in Zambia noch nie gehört hätte, dass Fälle von Korruption und Unredlichkeiten im Dorf offen besprochen würden, geschweige denn geahndet. Sie findet es beachtlich, dass es in Namibia auf dem Tisch und in der Presse ist und sieht dies als Zeichen, dass dieses Land - trotz aller oben beschriebenen Defizite - einen deutlichen Schritt weiter ist als einige seiner Nachbarn.

8.10.17 16:59, kommentieren