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Road trip

Es waren am Schluss 3500km, die Ella, Till und ich durch Namibia und Botswana gefahren sind. Am Donnerstag früh kamen die beiden an und wir haben erst einmal im Art Cafe des Zentrums für Kunsthandwerk in Windhoek ein zweites Frühstück genossen. Danach etwas durch die Ausstellung gebummelt, wo ich auf Anraten meiner Kinder ein sehr schönes Bild erstanden habe. Abends das erste grosse Steak für Till, die Welt war in Ordnung. Da ich auf meiner Fahrt nach Windhoek im Auto ein undefinierbares Geräusch gehört hatte war das Auto zwei Tage in der Garage, wo aber nichts Spezifisches festgestellt werden konnte. Als wir dann am Freitag nach Swakopmund aufbrachen waren wir also etwas verunsichert und tatsächlich tauchte das Geräusch wieder auf, so dass wir gleich die dortige Toyota Garage ansteuerten und um einen erneuten Check baten.

Bei der Anfahrt nach Swakopmund an der atlantischen Küste fiel uns schon von weitem eine dichte Wolkenbank auf, die uns kurz vor Erreichen der Stadt aus der strahlenden Sonne holte und in ein eher nordeuropäisches Klima brachte. Der Temperaturunterschied war gewaltig, nur noch etwa 15 Grad, so dass wir all unsere warme Kleidung zusammensuchen mussten. Die ganze Atmosphäre dort erinnert stark an Sylt oder Föhr und auch unser kleines Häuschen, das ich gemietet hatte, hätte dort stehen können: blau/weisse Farben, maritimes Dekor, helles Holz. Swakopmund wird unter Deutschen auch “das südlichste Nordseebad” genannt und ich kann dem nur zustimmen. Es ist eigenartig deutsch, mehr noch als Windhoek, man geht ins Cafe Auton und die Schwarzafrikaner begrüssen einen auf deutsch und bringen Apfel- oder Käsekuchen, alles seltsam, wir waren uns nicht sicher, ob wir es mögen oder nicht. Aber der Fisch, den wir drei Abende geniessen konnten, war fantastisch.

Wir mussten wegen des Autos eine Nacht verlängern und nutzten die Zeit am Sonntag für einen ausgiebigen Besuch im Museum und einer privaten historischen Stadtführung durch eine eingeheiratete Deutsche - sehr interessant. Am Montag waren die Autoräder in Ordnung gebracht und wir brachen Richtung Waterberg auf. Dies wiederum ein Schauplatz der brutalen kurzen deutschen Kolonialgeschichte und wunderbarer Nationalpark. Am Mittwoch ein grosser Fahrtag, da wir wegen des “verlorenen” Tages in einem Rutsch nach Katima Mulilo fuhren. Endlich sahen die Kinder mein kleines Haus, das Städtchen, und lernten auch meine Nachbarn und Kollegen beim “Sundowner” kennen. Da Ella etwas erkältet war wurde kurz erwogen, noch einen Tag dort zu bleiben, am Ende siegte aber der Wunsch, die Victoria Falls zu sehen. So fuhren wir am Donnerstag über zwei Grenzen (Namibia/Botswana und Botswana/Zimbabwe) nach Victoria Falls. Ich hatte sie bisher nur von der Sambischen Seite bei Hochwasser gesehen. Die Simbabwische Seite ist grösser und führte auch jetzt noch in der Trockenzeit erheblich Wasser, so dass es mit der Sonne und Regenbogen ein wunderschöner Anblick war.

Zurück nach Botswana und am Freitag Morgen der Beginn einer organisierten dreitägigen Tour durch den Chobe National Park, der ja inzwischen fast mein “Heimatpark” ist. Wir hatten Glück mit der Gruppe, zwei australische Ehepaare und ein deutscher Student waren mit uns auf einer Bootstour auf dem Fluss, wo wir die ersten Elefanten, Nilpferde und Krokodile sahen. Dann mit dem Jeep in den Park hinein und gleich am ersten Tag riesen Glück: wir sahen eine ganze Löwenfamilie beim Verzehr eines gerissenen Elefanten - direkt am Weg. Fünf Löwinnen, drei Junge und zwei Männchen frassen von der Beute und kein anderes Tier wagte sich heran. Daneben natürlich unzählige Elefanten, Zebras, Giraffen, Büffel, Warzenschweine, Kudus, Vögel etc. etc. Mein neues starkes Fernglas erwies uns sehr gute Dienste.

Abends Übernachtung direkt im Park (nicht etwa auf einem Campingplatz), was dazu führte, dass sich nachts einige Elefanten neugierig fragten, was wir hier so machen und zwischen den Zelten herumraschelten. Ich genoss es, dass alles für uns aufgestellt und gekocht wurde und hatte für die Gruppe einen Flachmann mit “Absacker” (Vodka) dabei, der auch gut weg ging. Samstag morgens Wecken um 5.45h und erste Ausfahrt bei kühlen 17Grad. Und wieder Glück: eine Leopardenmutter und ihre zwei Jungen hatten ein Impala gerissen und auf einen Baum gehievt. Wir kamen gerade hinzu, als sie noch unter dem Baum spielten und man sie gut sehen konnte, sie sind sehr scheu. Bis Sonntag nachmittag ging es so weiter, eine Bootstour zum Abschied und dann genossen wir erst einmal ein Bad im Hotel. Abends luden mich meine Kinder zu einem feinen Essen in einer Lodge direkt am Fluss ein. Leider hatte Till etwas Schlechtes erwischt (wir wissen bis heute nicht genau, was) und hing die ganze Nacht über der Toilette. Trotzdem fuhren wir Montag früh los, denn die anstehende Fahrt war anspruchsvoll und für mich unbekannt: durch den Nationalpark gen Süden durch Botswana, am Okavango Delta vorbei. Ich wusste, dass das meiste der rund 300km Naturstrasse sein würde, dass es aber so sandig und schwierig war, hätte ich nicht gedacht und dann wohl auch nicht gewagt. So rumpelten wir Stunde um Stunde durch die sehr schöne Landschaft, sahen wiederum viele Tiere, nur Till konnte in seinem Elend nicht wie geplant auf der Rückbank schlafen, sondern musste aufpassen, nicht runter geschleudert zu werden.

Insgesamt 10 Stunden brauchten wir, um beim letzten Sonnenlicht im Hotel anzukommen, inklusive einmal Festsitzen und Ausbuddeln in tiefem Sand. Ich war fix und fertig. Vor allem die gemeinen steinharten Rillen im Sand gehen einem richtig auf die Nerven, obwohl ich nie schneller als 20/30km/h fahren konnte. Till schaffte es buchstäblich nur noch vom Auto unter die Dusche und dann ins Bett und schlief 12 Stunden durch. Ella und ich nahmen wie fast jeden Abend unsere leckere Savanna (Cider) und assen eine Kleinigkeit, dann war auch bei uns Schluss. Selten hab ich so gut geschlafen. Die beiden folgenden Tage führten uns zurück nach Namibia und Windhoek, wo wir schon am Mittwoch Mittag ankamen. Ella und Till hatten eine Liste mit Mitbringseln erstellt, die wir abarbeiteten, abends erst ein Sundowner in der spektakulären Sky Bar des Hilton, dann nochmals in den Biergarten zum Steak. Und Donnerstag Ausschlafen, Packen und am Nachmittag zum Flughafen.

Zwei Wochen sind in diesem grossen Land nicht viel. Dennoch haben wir viel gesehen und erlebt und es schien uns daher viel länger. Abends wurde viel Canasta gespielt, im Auto wie schon auf anderen Reisen kamen die “Black Stories” zum Einsatz. Es war ausgiebig Zeit zum Reden, Musik hören, Essen und wir haben es alle drei genossen. Bereits gibt es Ideen für den nächsten Trip, der dann eher gen Süden führen würde.









16.9.17 16:43, kommentieren

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Budget

Vor zwei Wochen begann wie vom Himmel gefallen der Budgetprozess. Ein Brief des Ministeriums trudelte ein, den anscheinend niemand erwartet hatte. Auf jeden Fall war nichts vorbereitet und da mein Kollege Jethro die ganze Woche abwesend war lag es an mir, nun die nötigen Schritte einzuleiten. Ich schrieb also im Namen des Direktors einen Brief mit der Aufforderung, bis Mittwoch letzte Woche, 17h, die relevanten Zahlen einzureichen. Dann hätten wir zwei Tage Zeit, alles zusammenzustellen. Um es etwas übersichtlicher zu machen kreierte ich eine Matrix mit allen Budgetpositionen auf der einen und den relevanten Sektionen auf der anderen Seite und setzte ein Kreuz dort, wo sie etwas liefern mussten.

Ich machte den Vorzimmerdamen des Direktors klar, dass dies nun wirklich wichtig und dringend sei, besorgte selbst die 20 Kopien und schaute jeden Tag nach, ob die Briefe aus den Postfächern verschwunden waren. Dies war auch 3 Tag nach Erstellen nicht der Fall, im Gegenteil zeigten sich die meisten Sektionschef, die ich zufällig traf und ansprach, erstaunt und völlig uninformiert. Mir schwante Böses. Und tatsächlich: bis zum Abgabedatum kam ausser dem Budget meiner Schweizer Kollegen (die natürlich früher waren) EIN einziges Budget ausgerechnet der Bibliotheken, so etwa der unwichtigsten Abteilung des ganzen Direktorats.

Jethro war nun zurück und keinesfalls erstaunt. Wir nutzten die Zeit, um schon alle Kalkulationen vorzunehmen, die eh aus der Finanzabteilung kommen müssen wie Schulpauschalen, Wasser, Strom etc., Verpflegung der Hostels, Subventionen usw. Ich drängte ihn auch, das Telefon in die Hand zu nehmen und die wichtigsten Leute anzurufen und zu mahnen, was er etwas widerwillig tat.

Am Donnerstag tröpfelten dann langsam weitere Zettel und Aufstellungen ein, einige ganz ok, einige völlig unrealistische Wunschlisten (2 Mobiltelephone, 1 Tablet, 2 Laptops, 1 Ledersessel etc.) Von den Inspektoren der fünf Schulbezirke erhielten wir gerade mal eines! Dieses recht gute Budget nahmen wir dann und rechneten es auf die fünf Bezirke hoch. Freitag wollten wir alles in die vorgesehenen Masken tippen und setzten uns gleich morgens nebeneinander in Jethro’s Büro. Die Maske ist in eine völlig veraltete und unübersichtliche Struktur aus fünf Programmen gegliedert: Vorschule, Primarschule, Sekundarschule, Erwachsenenbildung und Bibliotheken. Und wo sind wir, fragte ich Jethro. Ja, wir werden halt aufgeteilt…Man hat die Intransparenz förmlich vor Augen, wer da was und warum beantragt. Besonders aufwendig sind die Workshops und Reisen, da hierfür Pauschalen je nach Rang kalkuliert und die Anzahl Leute und Dauer antizipiert werden muss.

Wir bastelten also an den Primarschulen plus Teilen der Verwaltung rum, ich (schneller) am PC, Jethro daneben, als ich gegen Mittag leider mit der Maus auf ein anderes Programm kam. Ich bin ja nur Apple und fast nicht PC geschult. Um die folgende Stunde kurz zusammenzufassen: nichts gesichert, Dokument verschwunden, alles für die Katz! Ich war wirklich am Boden, zumal wir viele Posten nur diskutiert und eingetragen, nicht aber schriftlich vor uns hatten. Also alles nochmals von vorne. Zwischendurch kamen laufend Leute rein mit ihren Eingaben, last Minute-Wünschen und Fragen. Konzentration unmöglich, es war zum Heulen. Ich schrieb konstant Notizen auf, wie wir es bestimmt nächstes Jahre anders und besser machen und habe schon eine Seite zusammen. Es kam dann noch ein zweiter Inspektor hereingeschlendert und brachte sein “Budget”, das ich euch in seiner Kreativität und Individualität nicht vorenthalten möchte (s. Bild).

Bis Freitag hatten wir nur die Primarschulen fertig, am Dienstag fängt der Workshop an, dazwischen müssen wir noch nach Windhoek fahren. Also habe ich gestern die Sekundarschulen gemacht, Jethro übernimmt den Rest. Den grossen Posten der Personalkosten haben wir noch gar nicht, da der Chef dringend an eine Beerdigung musste (geht hier immer vor), das wird also am Montag gemailt, sagt er…! Jethro lacht nur und meint, das sei jedes Jahr dasselbe und er sei wirklich froh, es nicht mehr allein zu bewältigen. Nachdem ich aber das Chaos auf seinem PC gesehen habe denke ich, dass auch er einiges anders machen muss in Zukunft…
Heute Sonntag starte ich gen Süden bis Rundu, Montag dann nach Windhoek. Dienstag und Mittwoch also Workshop mit der Finanzchefin und allen 14 Regionen, bin sehr gespannt: Fortsetzung zu dem Thema folgt sicher!

26.8.17 18:11, kommentieren