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Sprachen

Namibia’s offizielle Sprache ist Englisch, was aber nur von ganz wenigen als Muttersprache angesehen wird (1-2%). Am verbreitesten ist Oshiwambo, das im bevölkerten Norden gesprochen wird, dann Damara und auch Afrikaans. Daneben gibt es ca. 15 weitere lokale Sprachen, darunter die für uns witzigen Klicklaut-Sprachen. Es kommen mir immer mal wieder Namen unter, die einen Strich oder ein Ausrufezeichen enthalten, welches die verschiedenen Klicklaute symbolisiert. Trotz dieser klaren Regelung und Reduktion von offizieller Sprachkomplexität findet man auf vielen Produkten Angaben in verschiedenen Sprachen (s.u.), ähnlich wie in der Schweiz, nur sind es dort die offiziellen Sprachen.

Ich hab wohl schon erwähnt, dass in öffentlichen Schulen die ersten drei Jahre lokale Sprachen gelehrt und genutzt werden, bevor dann in der 4. Klasse auf Englisch gewechselt wird. Dies in der Meinung, dass Kinder erst einmal in ihrer Muttersprache unterrichtet werden sollen. Bei zunehmender Mobilität führt das nun zu kuriosen Situationen, indem Kinder Afrikaans-sprechender Eltern hier in Katima Zilozi lernen müssen, während umgekehrt Menschen der Zambezi Region, die in Windhoek arbeiten, ihre Kinder in Afrikaans unterrichten lassen. Insgesamt ist es aber bemerkenswert, dass eigentlich alle Menschen, mit denen ich schon zu tun hatte, ganz gut englisch können. Auch die Marktverkäuferin oder einfache Arbeiter. Im Vergleich zu Indien, das schon viel länger auf Englisch als gemeinsame Sprache setzt, sind sie echt im Vorteil.

Ich dachte nun, hier in der Zambezi Region wird Zilozi gesprochen, Punkt! Aber erst, seit ich mich damit etwas beschäftige weiss ich, dass Zilozi so quasi der kleinste gemeinsame Nenner und die offizielle Regionalsprache ist, jede Ethnie in dieser Region aber ihren eigenen Dialekt hat. Mafwe, Muiyeyi etc. heissen die und ich stell mir das ähnlich wie die Schweizer Dialekte vor. Man versteht sich irgendwie, aber anscheinend wechselt man dann bei verschiedenen Ethnien ins Zilozi. Diese Sprache ist auch grenzübergreifend nützlich, indem sie die Zambier und Nordbotswaner verstehen. Auch im Büroalltag wird meist Zilozi gesprochen, allerdings immer mal wieder ins Englische gewechselt, mitten im Satz. Mich erinnert das an die Secondos in der Schweiz, die Italienisch und Schweizerdeutsch anscheinend unbewusst mischen.

Unser Praktikant Anton hatte mir “Mwabuka Buti” beigebracht, der Morgengruss mit der Frage, wie es denn so geht. Darauf sagt man “Hande=gut” und erwidert den Gruss. Stolz probierte ich dies beim Anstehen in der Bank aus, erntete jedoch nur fragende Blicke. Peinlich! Aber es lag nicht an meiner unsäglichen Aussprache, sondern daran, dass der junge Mann aus Zimbabwe kam. Zilozi ist, wie ich ausserdem hörte, nicht weit weg vom Suaheli, das man z.B. in Tansania spricht.

Als jetzt meine neue Kollegin Regula hier in Katima anfing stellten wir bald fest, dass wir beide Lust hätten, etwas Basis-Zilozi zu lernen. Oder zumindest mal herauszufinden, wie schwierig das wohl ist. Sie machte sich auf die Suche nach einer Lehrerin und letzte Woche trafen wir Rosemary. Sie war lange Jahre Zilozi Lehrerin und hat nach der Pensionierung Kurse für die Mitarbeiter der amerikanischen Organisation “Peace Corp” gegeben. Sie weiss also hoffentlich, wie man Menschen ohne afrikanisches Sprachohr Zilozi beibringt. Übernächste Woche geht’s los, bin sehr gespannt. Im übrigen hat sie mir dann noch kurz mitgeteilt, dass mein “Mwabuka Buti” gar kein reines Zilozi, sondern irgendein Dialekt ist, den Anton wohl spricht…!

1 Kommentar 12.11.17 16:06, kommentieren

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Umzug

Vor zwei Wochen bin ich in ein neues Büro gezogen. Dies ergab sich als Konsequenz des an dieser Stelle beschriebenen Besuchs unserer Finanzdirektorin aus Windhoek. Sie hatte ja dem ganzen Team, besonders aber meinem Partner, dem Chef-Buchhalter, eingebleut, dass sie korrektes Arbeiten erwartet und von ihm besonders die Kontrolle dieses korrekten Arbeitens. Denn die Negativschlagzeilen um Korruption, Veruntreuung oder schlicht Schlamperei, die den Staat jährlich Millionen kosten, haben eben vielmals (immer?) mit mangelnder Kontrolle zu tun.

Am Montag nach diesem Besuch sassen also Jetro und ich zusammen und besprachen, was wir verändern müssen. Es war relativ schnell klar, dass im Zentrum der Prozesse die sogenannten “advices” (Anzeigen) aus der Personalabteilung stehen, die der Lohnbuchhaltung die Legitimation geben, die Löhne oder andere Auszahlungen im System zu verändern. Bis jetzt kamen diese Anzeigen (ein A4-Formular, das von Hand ausgefüllt wird) vom HR direkt in die Registratur. Dort hat ein Administrativer Arbeiter sie im Advice Book des HR quittiert und in unser Finanz Advice Book eingetragen. Danach das Personaldossier gesucht und der Buchhalterin zur Bearbeitung übergeben. Diese dann die Bearbeitung bestätigt und zurückgegeben.

Da diese Advices aber nun zur Chefsache erklärt wurden war klar, dass Jetro damit total überfordert sein würde, zumal sein Mitarbeiter für Budgetkontrolle und Kreditoren, der hätte helfen können, vor drei Monaten verhaftet wurde und seither auf seinen Prozess wartet (eine ganz andere Geschichte). Also habe ich gleich angeboten, dieses ganze Advice-Management zu übernehmen und neu zu strukturieren, denn mir war klar, dass ich da womöglich im Zentrum der vielen Probleme zwischen HR und Finanzabteilung angelangt wäre. Daher machte ein Umzug quasi in sein Vorzimmer Sinn und ich habe einen wunderbaren grossen Schreibtisch und viel Platz. Mit mir im Vorzimmer sitzt bis März Anton, ein Praktikant, was mir sehr zustatten kommt, s.u.

Kaum hatte ich die ersten Anzeigen und Advice Bücher gesehen und abgezeichnet fielen mir natürlich die ersten Unregelmässigkeiten auf: Nummern wurden zweimal vergeben, übersprungen oder ganz vergessen, Unterschriften fehlten, Dokumente waren unvollständig oder unleserlich etc etc. Ich marschierte also pro Tag mindestens zehnmal zu den Personalleuten und sie merkten schnell, dass hier nun ein anderer Wind weht. Die Genauigkeit hat sich seither schon sehr verbessert, wie ich mit Freude feststelle. Ich gebe alle Anzeigen neu in meinen Computer ein und kreiere so pro Bezirk und Woche eine Exceltabelle. Diese bringe ich in einem Ordner in die Registratur und helfe auch bei der Suche nach den Dossiers. Und genau da zeigte sich die zweite grosse Herausforderung: viele Dossiers fehlen in ihren Hängern oder sind gar nicht zu finden. Wo sind sie? Erstens nimmt es der liebe Calvin von der Registratur (der mir im übrigen um den Hals gefallen ist, als er hörte, dass er die ganze advice—Geschichte nicht mehr am Hut hat) mit dem Alphabet nicht so genau, was es bei gut 2200 Dossiers zu einem Glücksspiel macht, ob man das gesuchte findet. Zweitens “horten” die Buchhalterinnen (es sitzen ja 6 Damen in dem Büro, wo ich vorher war) gewisse Dossiers über Wochen, wenn nicht Monate auf und unter ihrem Schreibtisch. Sei es, weil noch Papiere fehlen, sei es, weil sie sie nicht so dringend finden wie andere oder aber Rückfragen ans HR haben, die dann nie gestellt werden. Zudem hat der Hauptsitz in Windhoek eine ganze Kiste von Dossiers im Rahmen der jüngsten Ermittlungen mit genommen - und leider haben wir keine Liste, welche!

So sucht und sucht man also und verschwendet viel Zeit - sehr frustrierend für mich! Irgendwie bewundere ich die fatalistische Geduld, mit der meine Kollegen dies jeden Tag aufs Neue tun. Ich habe mit den Damen nun wenigstens eine Liste aller Dossiers angefertigt, die sie bei sich haben, um so schnell checken zu können, wo das Dossier sein könnte, das nicht in der Registratur gefunden werden kann. Mit Calvin und den zwei Praktikanten habe ich zudem beschlossen, in der ruhigen Zeit anfangs Januar die ganze Registratur neu zu ordnen: alphabetisch sortieren, Inhalt checken, notieren, wo ein Hänger, aber kein File ist, kontrollieren, ob alle noch aktiv sind oder nicht vielleicht in das Archiv gehören etc.

Etwas Drittes ist mir in dem Zusammenhang aufgefallen, nämlich, dass nicht klar ist, wofür eine Unterschrift steht. Meine Kollegen haben nämlich immer nur im neuen Ordner unterschrieben, wenn sie ein Dossier herausgegeben bzw. eine Anzeige bearbeitet haben. Also nach Erledigung. Ich musste nun und muss immer noch betonen, dass diese Unterschrift eine Quittung ist, mit der man die Verantwortung für dieses spezifische Dokument/Dossier übernimmt, bevor man es bearbeitet hat. Und anhand der man feststellen kann, wo der Arbeitsprozess gerade steht. Es gibt nach der Bearbeitung nämlich noch die Verifizierung. Letzten Montag dachte ich noch optimistisch, das System hätte sich ganz gut etabliert bis ich mal genauer die verschiedenen Tabellen anschaute. Da stellte sich eben heraus, dass Dossiers herausgegeben, aber nicht quittiert wurden. So ging die Suche los: wo ist es, wer hat schon was gemacht….

Zudem bringen die Damen nach Erledigung die Dossiers zurück in die Registratur und packen sie auf den kleinen Tisch. Da liegen aber andere, die gerade rausgehen sollen oder in Bearbeitung sind - ein einziges grosses Durcheinander. Ich beschriftete akso neu Fächer für jeden Bezirk, kaufte eine grosse Plastikkiste für alle eingehenden Dossiers (die wieder abgezeichnet werden müssen) und kaufte auch für die Damen verschiedenfarbige Kisten, in die sie die erledigten Dossiers ihres Bezirks packen und zur Verifizierung bringen können. Sie haben nämlich nur alte Pappkartons in allen Grössen rumstehen und ich wollte auch Farbe ins ewige Dokumentenbeige bringen. Leider habe ich kein Photo gemacht, aber die einfachen Kisten gefallen sehr gut und motivieren auch stark, wie ich merke. Also eine gut investierte Spende meinerseits.

Wenn ich das jetzt nochmals durchlese merke ich, dass sich das jetzt für euch vielleicht alles übertrieben anhört. Es ist aber wirklich ein grosser Kampf um Struktur, Uebersicht und Konsequenz. Und er trägt zum Glück Früchte. Alle erzählen mir, dass sie so noch nie gedacht haben, dass man es ja tatsächlich besser machen kann und dass sie bewusster mit den Dingen und Unterschriften umgehen. Zudem mache ich auch Jetro, denke ich, vor, was Führung und Kontrolle wirklich heisst. Denn das ist auf jeder Ebene eine der grössten Schwächen: es wird gross verkündet oder auch geschrieben, aber viel zu wenig kontrolliert. Und ich bin sicher viermal pro Tag in der Registratur um zu sehen, was sie machen und ob alles läuft. Aber irgendwann bin ich nicht mehr da und er muss es weitermachen…

5.11.17 15:41, kommentieren