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Wüstenleben

Ich war noch nie im südlichen Teil Namibias, d.h. südlich von Windhoek, wo die Wüste mit den berühmten roten Dünen liegt. Aber von Swakopmund aus habe ich vor zwei Wochen einen halbtägigen Ausflug in die Namib Wüste gemacht, der sehr beeindruckend war.

Das Gebiet rund um den (meist ausgetrockneten) Fluss Swakop ist ein Canyon, wo verschiedene Gesteinsarten unterschiedlich erodiert sind und sehr bizarre, braun-schwarze Formationen bilden. Diese Gegend wird auch “Mondlandschaft” genannt und hat anscheinend schon oft Hollywood-Filmteams angelockt. Man nähert sich auf der Strasse von der flachen sandigen Wüste, sieht nichts besonderes und dann geht es plötzlich nicht nach oben, sondern unten in die Schlucht, wo neben der Landschaft auch interessante Tiere und Pflanzen zu sehen sind.

Die berühmteste unter den Pflanzen - die ich natürlich auch sehen wollte - ist die Welwitschia, eine Pflanze, die es nur hier gibt, in der ältesten Wüste der Welt. Ihr seht sie unten, eine weibliche und eine männliche Ausgabe. Wissenschaftler sind sich noch nicht einmal einig, ob man sie als Pflanze oder als Baum einordnen soll, da der mittlere Teil wie ein Stamm aussieht und weit in den Wüstenboden reicht. Dieser Teil verrät auch ungefähr das Alter der Pflanze, nämlich pro 10cm sind es 100 Jahre. D.h. die Pflanze unten ist zwischen 600 und 800 Jahre alt, es gibt auch welche von 1500 Jahren. Sie hat eigentlich nur zwei Blätter, die sich aber im Verlauf der Jahre aufspalten.

Kein Forscher lebt also so lange, dass er den ganzen Lebenszyklus dieser Pflanze verfolgen kann, es sind immer nur Momentaufnahmen. So zeigen die Pflanzen einen Pilzbefall (der weissliche Rand), von dem man aber nicht weiss, ob er der Welwitschia gefährlich werden kann. Das zeigt sich womöglich erst in 500 Jahren. Ich finde das sehr faszinierend, wie so eine uralte Pflanze im unwirtlichen Wüstenklima überleben und sich vermehren kann.

Daneben gibt es Flechten und kleine Büsche. Die braune Knolle unten ist ca. 20cm gross und sieht aus wie gerade aus der Erde gekommen, ist gemäss unserem Führer aber mehr als 70 Jahre alt. Nach seltenem Regen spriessen überall unerwartete Pflanzen, manche Samen überleben 500 Jahre im Sand ohne Wasser, nur um dann irgendwann zu spriessen. Im Tal leben auch recht grosse Strausse, die wir aber leider nicht zu Gesicht bekamen. Weiter südlich im Namib-Naukluft Park gibt es noch viele andere Tiere, die sich dem rauen Klima angepasst haben.

Die grünen Knollen im Bild ganz unten schliesslich sind Nüsse der Nara-Pflanze. Diese geben ein wunderbares Öl, das im Salat oder zum Kochen gebraucht werden kann, aber auch in der Kosmetikindustrie zunehmend beliebt ist. Anscheinend lassen sich die Nara-Pflanzen züchten und es ist eine kleine Industrie rund um die Nüsse und ihr Öl entstanden. Auf jeden Fall haben wir vier Frauen uns gleich mit einigen Produkten eingedeckt, die wir in einem sehr ansprechenden Laden in Swakopmund gefunden haben. Man wünscht Namibia mehr solcher unternehmerischen Initiativen.







11.2.18 15:05, kommentieren

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Jahrestreffen

Das neue Jahr brachte gleich lieben Besuch. Meine Nichte Carolina und ihre Freundin Helen kamen nach Katima Mulilo für drei Wochen Ferien in Namibia und Kapstadt. Erst fuhren wir zum Victoria Fall nach Zimbabwe - immer ein besonderer Anblick. Nach Hochwasser im letzten April, Niedrigwasser im September (mit Ella und Till) war es nun etwas dazwischen: Sicht noch gut, aber schon viel Wasser und Gischt.

Die Mädchen blieben dann auf dem Rückweg in Botswana und gönnten sich eine zweitägige Safari mit Camping bevor wir vorletzten Donnerstag gemeinsam gen Süden aufbrachen. Anlass für mich war das bevorstehende Jahrestreffen meiner Organisation Interteam in Windhoek. Ich legte die Reisetage so, dass wir übers Wochenende drei Tage Swakopmund einbauen konnten. Es präsentierte sich freundlicher als im September, sonnig, windig und durchwegs kühl (deshalb ist es ja so beliebt hier). Wir hatten eine gemütliche Wohnung in einem der schönsten Gebäude (Hohenzollern Haus, s.u.), genossen frische Meeresfrüchte, die leider in eine Magenverstimmung der Hälfte unserer kleinen Gruppe mündeten (da allerdings später auch Helen erkrankte, denken wir nun, dass es doch ein Virus und nicht der wirklich köstliche Fisch war).

In Windhoek kamen wir letzten Montag an, die Mädchen hatten ein kleines, zentral gelegenes Apartment gemietet, ich war mit meinen Kollegen in der Hotelschule der Uni (sehr gut!) untergebracht. Nach einem Abendessen in Joe’s Beerhouse (fast ein Muss in Windhoek) fuhren die Mädchen am Mittwoch mit dem Bus 22 Stunden weiter nach Kapstadt, wo sie bis kommenden Freitag sein werden.

Wir hingegen verbrachten drei intensive Tage zusammen - 9 Fachpersonen wie ich und drei Kollegen der Landeskoordination. Teils waren Vertreter unserer Partnerorganisation dabei, was natürlich immer zum gegenseitigen Verständnis beiträgt. Teils waren wir allein und tauschten uns über aktuelle Themen aus, aber auch Probleme, die uns allen in unseren abgelegenen Orten so begegnen.

Am letzten Tag besuchten wir am Morgen das Hochhaus der Firma NAMDEB. Der Name setzt sich aus NAMibia und DEBeers zusammen und meint die Kooperation im Diamantengeschäft. Namdeb steht für den Abbau, das Kürzel NDTC für den Handelsteil, den wir besuchten. Als letzter Partner kommt noch die Bearbeitung der Steine hinzu, Schleifen und Polieren. Letzteres wurde erst vor einigen Jahren ausgebaut, um im Lande mehr Wertschöpfung zu belassen und Erfahrungen zu sammeln. Vorher wurden einfach Rohdiamanten ausgeführt.

Der Besuch war sehr interessant und auch bemerkenswert unkompliziert. Wo wir stringente Sicherheitsmassnahmen erwarteten konnten wir nach einem kurzen Scan und Abtasten, der Abgabe unseres Passes und Taschen in den Bereich, wo tausende von Steinen sortiert, klassifiziert und bewertet werden. Wir durften alles in die Hand nehmen, selber durch die Lupe schauen und erfuhren vieles von den sehr freundlichen und engagierten Mitarbeitern dort. Natürlich fragten wir uns, wie sie bemerken würden, wenn wir einen winzigen Diamanten rausschmuggeln würden, aber wir haben es selbstverständlich nicht auf die Probe gestellt. Und die vielen Kameras sowie die permanente Anwesenheit von Sicherheitsleuten sprachen eine klare Sprache.

De Beers hat in vier Ländern Minen, in Südafrika, Kanada, Botswana und Namibia. Namibia ist ein viel kleinerer Diamantenproduzent als z.B. Botswana, das ca. 10x soviel schürft. Dafür ist die Qualität der namibischen Diamanten zu 80% für Schmuck geeignet, in Botswana fallen viel mehr Industriediamanten an. Interessant die verschiedenen Farben, Formen und auch Strukturen der Steine, die man nur mit der Lupe wirklich erkennt. Dazu die Kategorisierung in solche, die unverändert als Stein verarbeitet werden können und solche, die an bestimmter Stelle geschnitten werden müssen, um sie optimal zu nutzen. Daher weiss ich nun, dass es keine “schwarzen Diamanten” gibt, die wohl derzeit sehr in Mode kommen, sondern dass dies minderwertige, wenn auch schöne Diamanten mit vielen schwarzen Einschlüssen sind.

Danach waren wir noch in einer lokalen Schmuckproduktion und erfuhren etwas über die Verarbeitung der Steine. Hier konnte ich auch fotografieren, s.u. zum Beispiel den Arbeiter, der den ersten Diamanten 1908 in Namibia fand. Damals konnte man sie so vom Sand aufheben…!

Der Freitag war schliesslich ein freier Tag, in dem ich etwas die Grossstadt genossen und einige Kleinigkeiten eingekauft habe. Vorgestern dann die lange Rückfahrt nach Katima, die meine Kollegin Regula und ich erstmals an einem Tag geschafft haben. Wir wollten herausfinden, wie das so geht, wenn man sich regelmässig abwechselt und zu unserer Genugtuung lief es sehr glatt. Nach 12 Stunden mit nur kurzen Tank- und Pipipausen waren wir um 18.30h hier.





5.2.18 12:37, kommentieren