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Detektivarbeit

Ich möchte heute gerne mal einen kleinen Einblick in den Detaillierungsgrad meiner Arbeit geben. Seit geraumer Zeit gibt es offenbar Zweifel an der Akkuratesse der monatlichen Telecomrechnung (kennen wir wohl alle). Für das ganze Direktorat ist dies ein ansehnlicher Betrag und Stapel von Rechnungen, die zuerst immer in den Einkauf gehen, dort routinemässig abgezeichnet werden und dann zu uns kommen.

Als ich anfangs Jahr hier allein zuständig war habe ich mit einem Praktikanten eine Übersicht über alle Telecomrechnungen des letzten Jahres gemacht, um festzustellen, woher eigentlich die aufgelaufenen fälligen Beträge kommen, die weit höher sind als der monatliche Mietbetrag. In dem Zusammenhang fiel uns auf, dass in den Rechnungen Telefonnummern aufgelistet sind, von denen wir noch nie gehört hatten.

Also habe ich letzte Woche einen anderen unserer inzwischen vier (!) Praktikanten gebeten, doch diese ganzen Nummern in den Computer zu tippen, damit wir sie dann überprüfen können. Die Kombination aus chaotischen Rechnungen und unerfahrenem Praktikanten stellte sich als nicht hilfreich heraus. Er kam zurück mit einer nackten langen Zahlenkolonne. Ich fragte, wer denn der angenommene Inhaber der Nummer sei (Schule, Abteilung etc.) und er meinte, ja, ich hätte ja nur die Nummern gewollt…Also nochmals von vorne: Name der organisatorischen Einheit, Nummer, dann Check, ob es funktioniert, was mit internet ist. Zudem gab ich ihm zum Abgleich meine Kontaktliste sowie die interne Telefonliste der hiesigen Registratur. Beide allerdings nicht 100% verlässlich.

Seitdem ist der junge Mann schwer beschäftigt. Er hat sich in ein Büro zurückgezogen und ruft sämtliche Nummern an. Die Ergebnisse notierte er auf einzelnen Blattfetzen, bis ich ihn bat, doch bitte alles mal wieder in den Computer zu tippen, solange er es noch erinnert (s.u.). Da viele Nummern zwar klingelten, aber niemand abnahm zündeten wir Stufe zwei: er ging persönlich in jedes Büro des Direktorats und checkte dort, ob ein Telefon vorhanden ist, ob die Nummern gehen etc. Für die Schulen können wir das natürlich nicht so einfach machen. Hier ruft er die Schulleiter auf deren Handies an und fragt nach, ob die Nummer korrekt ist, warum sie nicht geht etc. Dass er dabei jetzt im gleichen Raum sitzt wie ich erleichtert ihm die Sache nicht und er tut mir auch manchmal leid. Kaum hat er aufgelegt schaut er zu mir herüber und wartet auf meine Kommentare. Einmal erwischte er einen Schulleiter, der ihm sagte, er sei nicht mehr in dieser Schule. Daraufhin legte der Praktikant auf. Ich fragte: und wo ist er jetzt? Sicher in einer anderen Schule, hättest du also gleich eine andere Nummer rausfinden können…er musste lachen. Ich kann nur hoffen, dass er dabei etwas lernt.

Das vorläufige Ergebnis nach dieser Woche: ca. 30% der Nummern sind korrekt und funktionieren. Nochmals ca. 30% sind korrekt als Nummer und Absender, funktionieren aber nicht (durch Telecom abgestellt?). Die letzten sage und schreibe 30% sind Nummern, die ins Leere führen. Weder wissen wir, wen wir da anrufen noch klingeln sie, es sind also wahrscheinlich alte Nummern, die abgestellt, aber nie aus unserer Rechnung genommen wurden. Um es noch komplexer zu machen, fanden wir auch diverse Faxnummern und natürlich Internetcodes, die weitaus schwieriger zu kontrollieren sind.

Wir haben nun eine schöne Übersicht gemacht, über die wir mit den Telecom Leuten reden wollen. Das letzte Drittel soll sofort stillgelegt werden, die korrekten, aber inaktiven auf aktiv gestellt werden. Und dann gibt es aber noch eine Reihe von Nummern hier im Regionalbüro, die wir gar nicht auf der Liste finden! Aber sie funktionieren, wer also zahlt dafür? Und sollen wir das ansprechen??

Solche Detektivarbeit macht mir Spass und v.a. bin ich sicher, dass wir unter dem Strich eine Menge Geld sparen werden.

22.4.18 17:19, kommentieren

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Makuwa

Makuwa heisst “Weisse(r)” auf Silozi, der Sprache, die hier in der Zambezi Region, aber auch in Süd-Zambia gesprochen wird. Eigentlich ist sie ein Konstrukt, ähnlich wie die Schweizer das Deutsch, was in der Schule gelehrt wird, “Schriftsprache” oder “Standardsprache” nennen. Denn jeder der hier ansässigen Stämme (ca. 7, u.a. Mafwe, Masubia, Matotela, Maieyi, wobei Ma=Volk) hat seine eigene Sprache, die sich ziemlich vom Silozi unterscheiden kann (auch wenn es alles Bantu-Sprachen sind). Deshalb wird in der Schule bis zur Matur auch Silozi gelehrt, was neben dem nationalen Englisch einen regionalen Zusammenhalt fördert, den Kindern aber das Erlernen von zwei Sprachen ab Primarschule abverlangt.

Ich habe vielleicht schon erwähnt, dass es doch einige Weisse hier im Nordosten gibt, wenn ich schätzen müsste, vielleicht 5%. Dies sind natürlich gebürtige Namibier, die es hierhin verschlagen hat, dann Eingewanderte (ich kenn welche aus Südafrika, Zambia, Nordafrika) und letztlich natürlich temporäre Einwohner wie mich, die kürzer oder länger - meist für eine NGO - arbeiten. Mal ganz abgesehen vom Tourismus. Es ist also meist nicht so, dass einen Kinder anstarren, wenn man in ein Dorf kommt, weil sie noch nie eine Weisse gesehen haben (obwohl ich gerade am Freitag in einer abgelegenen Primarschule ziemlich umringt und “bestaunt” wurde). Aber das Wort ‘Makuwa’ fällt doch schon das eine oder andere Mal und ist wohl neutral gemeint, wie ich höre, weder ab- noch aufwertend.

Wenn man bedenkt, dass die Namibier in ihrer kürzeren Geschichte einmal unter den weissen deutschen Kolonialherren und dann unter dem Apartheid-Regime der Südafrikaner gelitten haben ist die wohlwollende Neugier, mit der einem viele Schwarze hier begegnen, fast etwas unverständlich. Dazu zwei ganz kleine Begebenheiten, die mich beeindruckt haben.

Auf den Bildern unten seht ihr Mike. Mike ist ein einfacher Arbeiter, der uns hier im Regional Office bei allen möglichen Arbeiten unterstützt. Was ich an Mike besonders mag ist, dass er einer der ganz wenigen Menschen hier ist, der an Dingen dranbleibt, sich wirklich kümmert. Als ich das insgesamt viermonatige (!) Projekt “Fenster putzen” startete, damit ich nachher die frisch gewaschenen und gebügelten Vorhänge neu aufhängen konnte, kam er immer wieder ins Büro und fragte, ob die (elendig unfreundliche und unkooperative) Putzfrau denn nun endlich geputzt habe. Als dies im Februar immer noch nicht der Fall war beschloss Mike kurzerhand, dies selbst zu erledigen. Ihr seht ihn unten, wie er mit dem von mir mitgebrachten Fensterspray und einem veralteten Telefonbuch versucht, die alten Fenster sauber zu bekommen. Dies gelang ganz gut.

Danach hängte er die Vorhänge auf und wir beide freuten uns über diesen Etappensieg. Leider gab es aber keine Stopper, so dass die Vorhänge bei jedem Aufziehen raus rutschten. Ich dachte kurz nach und gab ihm dann zwei Gummibänder. Diese sollte er eng um die Enden der Vorhangstange wickeln. Er tat es und die Sache war gelöst. Er sprang vom Fenstersims, stellte sich neben meinen Schreibtisch und meinte ganz ernst: “This is why I love white people: they are so smart!”. Damit ging er hinaus. Man stelle sich vor, ich hätte so etwas über die (meine) weisse Rasse gesagt…!

Wenn die Temperaturen es zulassen lasse ich meine Bürotür meist offen stehen. Erstens, damit ich sehen kann, was draussen so vor sich geht (wir haben ja so nette Innenhöfe, wo sich immer wieder Leute treffen) und zweitens, damit die Eintrittsschwelle tiefer ist. Für viele einfache Leute ist die Finanzabteilung ein etwas einschüchternder Ort, merke ich. Letzte Woche nun kam ein älterer Mann herein. Oft ist es so, dass erst einmal ausführlich begrüsst wird, dann Schweigen, Ich bitte drum, Platz zu nehmen und nur langsam kommt das Anliegen zur Sprache. Es stellte sich heraus, dass er zum Büro des Gouverneurs wollte. Er wusste genau, dass dies das falsche Büro war, hatte mich aber gesehen und entschieden, dass er mit mir reden wollte. Sein langsam gesprochenes Englisch war einfach, aber genügend und gut zu verstehen. Er erzählte mir fast seine ganze Lebensgeschichte, die insgesamt nicht sehr erfreulich war. Warum er mit mir reden wollte? Weil er einige Jahre in Wolvis Bay am Atlantik gelebt und gearbeitet hat, zusammen mit Weissen. Diese hätten ihn ermutigt, mit ihnen englisch zu lernen und sich ihm gegenüber sehr hilfsbereit und nett gezeigt. Seitdem mag er Weisse und als er mich sah, MUSSTE er einfach mit mir (englisch) reden. Rührend, oder?


15.4.18 13:24, kommentieren