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Vorsätze

Letzte Woche war die Woche der grossen Sitzungen in meiner Organisation. Am Donnerstag ging der Schulbetrieb wieder los und vorher wurden alle Inspektoren und Schulleiter zur jährlichen Konferenz eingeladen. Hauptthema ist dort jeweils das Abschneiden unserer Region in den Abschlussprüfungen der 10. und 12. Klasse.

Ich habe wohl auch letztes Jahr darüber berichtet: die Zambezi Region landete unter den 14 Regionen bei den 10.Klasse-Tests 2017 auf dem 7.Rang (2016: 6. Rang), bei den Ergebnissen der 12. Klasse auf dem 14. Rang (2016 gleich)! Und verharrt damit nicht nur auf einer unschönen Position, sondern hat sich faktisch sogar verschlechtert. Für den Direktor, der sein Amt 2014 übernommen hat (nachdem er allerdings Jahre Stv. Direktor war) ist dies eine veritable Blamage. Er hat in all den Jahren die Region nicht nach vorne bringen können. So sieht er das auch selber.

An der erwähnten Konferenz wurden denn auch keine feurigen Appelle abgegeben, sondern die Aufarbeitung der Resultate den Inspektoren und ihren Bezirken übergeben. Mit dem klaren Ziel: 2018 MUSS sich etwas ändern. Dies war allerdings auch schon 2017 gesagt worden...

Ich war dann einen Tag später zu einer weiteren Sitzung in kleinem Kreis eingeladen. Worum es geht erfährt man oft erst, wenn man drinsitzt. Wiederum die Inspektoren und alle Leiter der Sektionen. Und hier wurden nun tatsächlich neue Töne angeschlagen: der Direktor und seine beiden Stellvertreter erzählten von einer Klausur, in die sie sich begeben hätten und in der sie “Introspektion” betrieben hätten. Jeder habe ganz ehrlich seine Schwachpunkte aufgelistet und sich überlegt, wie er diese 2018 beheben oder zumindest mildern könne. Weil wir alle zusammen die Resultate zu verantworten hätten und nur wir alle mit ehrlicher Selbstkritik etwas verändern könnten.

Und genau das forderte der Direktor nun von der überraschten Runde: er wolle kein übliches Mit-dem-Finger-auf-andere-Zeigen (“Blame Game”), sondern jeder solle doch bitte mal kurz reflektieren, was er oder sie im vergangenen Jahr hätte besser machen können. Betretenes, ziemlich langes Schweigen, das von ihm aber ausgehalten wurde, bis sich ein mutiger Inspektor zu Wort meldete. Langsam nahm die Diskussion Fahrt auf und Erstaunliches und Wichtiges wurde genannt: dass man zu wenig konsequent sei, zuviel Rücksicht nehme auf Leute, die etwas falsch machten, weil man sie ja alle kenne, dass man auch resigniert habe, weil sich ja eh nichts ändere, dass man den Kontrollaufwand der Schulen unterschätzt habe, dass man schlicht nicht wisse, wie man es denn machen solle etc. etc.

Interessant fand ich nun, dass der Direktor und seine zwei Deputies selber als ihre grösste Schwäche zugaben, dass Fehlverhalten viel zu selten konkrete Konsequenzen habe und so auch nie abschreckend sein könne. Dies ist der Punkt, den meine Kollegen und ich schon lange monieren und weshalb wir auch nie glaubten, dass sich grundsätzlich etwas ändern würde. Mit dieser Aussage und dem doch sehr ernsten Tenor der Sitzung gaben uns die drei zumindest den Eindruck, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen und eigentlich nur gewinnen können. Der Direktor gab uns allen die Hausaufgabe, persönliche Schwächen aufzulisten und Strategien zur Überwindung zu nennen. Dies führte beim Verlassen des Raumes schon zu irritierten Reaktionen. Ein Kollege raunte mir zu, er habe doch keine Ahnung, was seine Schwächen seien….

Was nun freilich aus all den Vorsätzen wird, ob tatsächlich ein fauler oder korrupter Schulleiter/Lehrer mal abgestraft und allen signalisiert wird, dass gewisses Verhalten nicht tolerierbar ist, wird sich zeigen. Ich bin gespannt auf die Resultate und die entsprechende Konferenz im Januar 2019.

14.1.18 15:49, kommentieren

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Zweites Jahr

Nach vier abwechslungsreichen Ferienwochen voller schöner Familientreffen, Besuchen bei Freunden, Notwendigkeiten wie Arztvisiten und ganz persönlichen Vergnügungen wie zwei wunderbaren Skitagen bin ich seit 10 Tagen wieder in meiner Wahlheimat. Ich muss gestehen, dass die Landung hier hart war. Persönlich, weil ich mich nach den intensiven, vollgepackten Tagen mit dem Alleinsein erst schwer tat - man fühlt sich hier wie aus der Zeit gefallen. Obwohl es Silvester war und sogar Katima Mulilo eine “Countdown Party mit Feuerwerk” organisierte war erst keiner meiner Schweizer Freunde hier und so spazierte ich also nach einem Drink mit meinen Nachbarn gemächlich und allein ins 2018, mein zweites Jahr in Namibia. Dafür lud ich die von ihren Ausflügen zurückkehrenden Kollegen am 1. Januar zu einem schönen Neujahrsapéro am Fluss ein.

Beruflich fing es unerwartet hektisch an. Mein Partner, der Chefbuchhalter, war nach Weihnachten in (die Nähe) eine/r Schlägerei geraten (die Erzählungen gehen hier auseinander) und hatte mit voller Wucht eine Bierflasche ins Auge bekommen. Er wurde sofort nach Windhoek verbracht und bis letztes Wochenende nur beobachtet, da alles zugeschwollen war. Letzte Woche erst konnten die zertrümmerten Knochen operiert werden. Kommende Woche kann nun erstmals geschaut werden, was mit seinem Auge los ist. Dies führte dazu, dass ich sofort seinen Platz übernehmen musste und nun mit völlig neuen Abläufen und Aufgaben konfrontiert bin, wie lange, ist noch völlig offen.

Ihr wisst vielleicht, wie schwierig es ist, sich auf dem PC eines anderen Menschen zurechtzufinden und Dokumente aufzuspüren. Ich kümmere mich momentan also neben den bereits beschriebenen Tätigkeiten (Anzeigen aus der Personalabteilung, Reorganisation der Registratur, Unterschriftenkontrolle der Schulen etc.) auch um Budgetfragen und die Kreditorenbuchhaltung, was mir in den bisherigen vier Tagen schon die Abgründe des Einkaufs- und Rechnungsprozesses vor Augen geführt hat: unterschiedlichste Formulare, unklare Unterschriftenregelung, keine Übersicht, Absenz von Zuständigen etc.….

Ich sehe aber als Gutes an der Situation, dass ich erstens wie erwähnt sicher versuchen werde, diese mir bisher unbekannten Prozesse zu verbessern, und dass ich zweitens erstmals in intensivem Austausch mit dem Regional Council stehe, also der Regionalverwaltung, in die wir ja eingebettet sind. Die Kollegen der Finanzabteilung dort haben mir auch bereits sehr nett geholfen und so nehme ich die zahlenlastigen Herausforderungen, die mir eigentlich nicht wirklich liegen, erst einmal ziemlich gelassen.

Ich schliesse für heute und hoffe, das das Jahr 2018 für euch, uns und die Welt ein gutes sein wird.

7.1.18 15:31, kommentieren